Spuren der Deutschen Schulen: Siedlung Neutiflis in den Jahren 1818-1925

(abgekürtzte und überarbeitete Fassung des in 2018 im Buch "Kalendula und der blaue Knof" veröffenlichten Artikels)


Neutiflis wurde 1818 in der unmittelbaren Nachbarschaft des heutigen David-Agmaschenebeli-Prospektes gegründet. Am Anfang bauten die sich neu ansiedelnden Schwaben Erdhütten. In einer dieser Hütten wurde eine Kirche und eine Sonntagsschule eingerichtet, deren erster Lehrer Johannes Haldner war. Er las den Schülerinnen und Schülern jeden Sonntag zunächst Predigten vor, unterrichtete sie später aber auch in Lesen und Schreiben, Singen und Rechnen. Nur neun Monate nach der Ansiedlung der Deutschen wurde die St. Petri-Pauli-Schule gegründet, die über ein Jahrhundert lang existierte und eine wichtige Rolle in dem kulturellen Leben der deutschen Gemeinde in Tiflis spielte.

Der Aufbau und die Entwicklung der St. Petri-Pauli-Schule ist eng mit dem Namen von Matheus Schwarz verbunden, der hier ab 1864 unterrichtete. Er erhielt seine pädagogische Ausbildung in Württemberg, und zwar im Lehrerseminar von Tempelhof und als er in Georgien kam, war er schon ein erfahrener Lehrer. Matheus Schwarz war nicht nur ein begabter Pädagoge, sondern engagierte sich darüber hinaus auch für die Entwicklung der Schule. Zu seiner Zeit wurden neue Fächer in den Lehrplan aufgenommen: Geschichte, Landeskunde, Geometrie, Naturwissenschaft und Zeichnen. Außerdem stieg die Nachfrage, und es waren nicht mehr nur Deutsche, die in diese Schule aufgenommen werden wollten.

Sonntagsschulen wie die St. Petri-Pauli-Schule gab es in fast allen deutschen Siedlungen. In den Schulen unterrichteten Pfarrer oder Gastlehrer. Die Schulen wurden vom Schulpastor und einem weltlichen Lehrer gemeinsam verwaltet. Jedoch konnte der Pastor in Zeiten des Personalmangel zusätzlich auch Funktionen des Lehrers übernehmen und umgekehrt: die Schullehrer waren auch berechtigt, Gottesdienste zu halten.

Die Lehrer waren voll ausgelastet. Sie mussten Chöre leiten, während der Liturgie Orgel spielen, die Sonntagsschule verwalten, dem Pastor während der Beerdigungen und den zu Hause stattfindenden Taufen assistieren sowie die Schulbänke streichen, Lampen reinigen usw.

Die Schule von Neutiflis befand sich in einem bescheidenen Haus, in dem sowohl das Klassenzimmer als auch die Wohnzimmer der Lehrer untergebracht waren. Mit der Zeit reichte der Platz nicht mehr für die Durchführung des Unterrichts. Durch die wachsende Zahl der Schulfächer und Pädagogen wurde eine Schulerweiterung immer drängender. Im Oktober 1878 wurde das neue Gebäude der St. Petri-Pauli-Schule feierlich eröffnet. Die Rolle der Gemeinde in dem Kirch- und Schulleben war erheblich. Die Arbeit der Schule (und auch anderer deutschen Kultureinrichtungen) wurde zum grossen Teil ausschließlich durch Gemeindespenden ermöglicht. Auf Initiative von Friedrich Wetzel, eines in Tbilissi wohnenden Unternehmers, wurde ein Verband gegründet, dessen Ziel es war, ärmeren Schülern zu helfen und für sie die Schulgebühren und die für Bücher und, wenn nötig, auch für Kleidung notwendigen Gelder zu sammeln, um den Kindern die Schulausbildung zu ermöglichen. Friedrich Wetzel besaß eine eigene Brauerei, ein Hotel, Häuser in Tiflis und Umgebung und gehörte zur 2. Gilde der Händler. Er war sogar ein Mitglied des Stadtrates. Sein Engagement war keine Ausnahme.


Die Bedeutung des Ausbildungssystems für die deutschen Gemeinden in Georgien und im Südkaukasus

Im Russischen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts spielte für die Deutschen die Bewahrung ihrer Sprache und die Schaffung von Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder eine wichtige Rolle. Es gab in allen Siedlungen deutsche Schulen mit einem zweijährigem Schulprogramm. Die Schulen waren mit der lutherischen Kirche verbunden und wurden aus Gemeindemitteln finanziert.

Ursprünglich hatten die Schulen in den Siedlungen keinen einheitlichen Lehrplan. 1832 fand jedoch ein Kongress der Südkaukasischen kirchlichen Synode statt, auf dem ein einheitliches Lehrprogramm für alle Schulen beschlossen wurde. Es sollte sich an dem im Württemberger Königreich geltenden Ausbildungssystem orientieren, aber auch die im Russischen Kaiserreich für die Schulen geltende Gesetzgebung berücksichtigen, in der seit 1870 mit der Politik der „Russifizierung“ auch die Intensivierung der nationalen Sprache gefordert wurde. Gleichwohl versuchten die Deutschen in ihren Schulen den deutschsprachigen Unterricht aufrechtzuerhalten. Das war jedoch nicht einfach, da im Falle der Fortsetzung der Ausbildung nach der Primärschule der Schüler oder die Schülerin keine andere Wahl als den Besuch einer russischen Mittel- oder Hochschule hatte.

Vertreter der deutschen Gemeinden hatten die vom russischen Ausbildungssystem ausgehende Gefahr schon in den 1860er Jahren erkannt und begonnen, sich auf die Gründung eines deutschen Realgymnasiums in Tbilissi vorzubereiten. Das Gymnasium sollte zu einem Gegengewicht der Russifizierungspolitik werden: Nach der Primärschule sollten in Georgien lebende Deutsche die Mittlere Reife in einer deutschsprachigen Umgebung erreichen können, was ihnen seinerzeit den Weg zum Studium eröffnet hätte. Das begriffen damals nur wenige, so dass die Idee der Gründung des Gymnasiums zunächst scheiterte.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Unterricht in den deutschen Schulen der Siedlungen schon ausschließlich in russischer Sprache. Zu dieser Zeit wurde die Verwaltung der Schulen der evangelisch-lutherischen Kirche entzogen und dem Ministerium für Volksbildung unterstellt; auch die Lehrpläne wurden geändert. Das neue Schulprogramm war überwiegend an russischer Geschichte und anderen russlandbezogenen Themen orientiert. Die deutsche Gemeinde brauchte ein starkes Schulsystem, um die eigene Sprache und damit die eigene Identität zu bewahren. Es ging um die Durchführung von zwei Projekten gleichzeitig.

Erstens war das, die Frage der Umgestaltung der St. Petri-Pauli-Schule in eine Lehranstalt höherer Stufe seit Anfang des Jahrhunderts aktuell geworden. Die gescheiterte Revolution von 1905 und die Verschärfung des politischen Regimes die sog. „Schwarze Reaktion”, verzögerte diese Initiative. Doch 1906 billigte der Gemeinderat die Schaffung eines Finanzausschusses, der die Schule und die Umstrukturierungsvorhaben finanziell unterstützen sollte. Die Spendensammlung und die Bearbeitung des Konzeptes, dauerte fast 5 Jahre und endlich, im Jahre 1912, wurde die St. Petri-Pauli-Schule zu einer Elementarschule (Volksschule) umgebaut mit 4 Grundschulklassen.

Im Jahr 1915 folgte auf Pastor Schleuning, der die Schule verließ, Oberpastor Richard Mayer, der große Verdienste bei der Gründung des Deutschen Realgymnasiums erwarb. Im Gedächtnis der Zeitgenossen ist die deutsche Schule „Mayers Schule“.

Gleichzeitig forderte und verhandelte man in der deutschen Gemeinde immer aktiver die Notwendigkeit der Gründung eines deutschsprachigen Gymnasiums der mittleren Stufe, die erst 1918 möglich wurde. Bis dahin durchlebten die deutschen Gemeinden in Georgien schwere Zeiten. Während des Ersten Weltkrieges war die deutsche Sprache verboten; in der Öffentlichkeit durfte kein Deutsch gesprochen werden, deshalb unterhielt man sich mit den Kindern auch in den Familien auf Russisch. Die Situation änderte sich erst nach der Februarrevolution von 1917. Im Russischen Kaiserreich wurde die Monarchie abgeschafft und allen Nationen des ehemaligen Imperiums die Rechte auf Selbstbestimmung und Eigeninitiative gewährt.

Im März 1918 wurde in Brest-Litowsk ein „Separatistischer Friedensvertrag“ zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Sowjetrussland geschlossen. Damit schied Sowjetrussland als Teilnehmer des Ersten Weltkrieges aus. Mit diesem Vertrag begann eine neue Etappe der deutsch-georgischen Beziehungen. Unter Führung des Generalmajors Friedrich Kreß von Kressenstein, dem Befehlshaber der deutschen Militärmission im Südkaukasus, wurde Georgien kurzzeitig deutsches Protektorat.

Nachdem Georgien 1918 die nationale Unabhängigkeit erklärt hatte, gründeten die im Südkaukasus lebenden Deutschen einen Deutschen Nationalrat. Dieser besaß ein eigenes Presseorgan, die Zeitung „Kaukasische Post“. Die bereits 1906 gegründete Zeitung konnte während des Ersten Weltkrieges nicht erscheinen und wurde erst 1918 wieder ins Leben gerufen. Diese Zeitung veröffentlichte interessante und umfangreiche Informationen über das Leben der Deutschen in Georgien, unter anderem auch zu den Themen Schule und Ausbildung.

Außer der Zusammenarbeit in militärischen und politischen Bereichen konzentrierte sich die deutsche Delegation auf die deutsch-georgischen Kulturbeziehungen. Gerade in dieser Zeit begann der Bau des deutschen Krankenhauses und eine Aktivphase der deutsch-georgischen Kulturgesellschaft. Georgien war offen für eine unmittelbare und enge Zusammenarbeit mit Deutschland. Im Juli 1918 fand eine Vollversammlung der Gemeinde statt, auf der die Frage der Gründung einer deutschen Sekundarschule in Tbilissi besprochen werden sollte. An dieser Erörterung nahmen der Kirchenrat und ein Spezialausschuss teil.

Es herrschte die Meinung vor, dass die Eröffnung eines deutschen Gymnasiums, trotz der noch vagen politischen Lage, doch zweckmäßig sei, nicht zuletzt, weil in Tbilissi inzwischen schon mehrere Gymnasien existierten, ein griechisches, ein jüdisches, ein armenisches, ein georgisches und ein polnisches. Man war überzeugt, dass die deutschen Kinder die Möglichkeit haben müssten, die Schulausbildung in ihrer Muttersprache zu erhalten. Die Schule sollten Mädchen und Jungen gemeinsam besuchen, weil durch den sozialen Wandel den Frauen dieselben Rechte und Pflichten gewährt wurden, die vorher nur den Männern vorbehalten waren. Man plädierte für ein gemischtes Schulmodell, und zwar sowohl in nationaler Hinsicht als auch hinsichtlich des Alters. Die Schule sollte ein klassisches Gymnasium sein, mit organisch steigenden Klassenstufen.

Bald bildete die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde einen speziellen Schul- bzw. Gymnasiumsausschuss, der in Vereinbarung mit dem südkaukasischen Deutschen Nationalrat beschloss, in Tbilissi ein Gymnasium zu gründen. Am 24. Juli 1918 richtete die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ein entsprechendes Gesuch an das Ministerium für Volksbildung der Georgischen Demokratischen Republik. Diesem Antrag gab die Regierung am 22. August 1918 statt. Das deutsche Realgymnasium wurde am 15. Oktober 1918 mit dreizehn Schülern in zwei Klassen eröffnet.

1919 feierte die deutsche Gemeinde das 100-jähriges Jubiläum der deutschen Ansiedlung in Georgien. In Hundert Jahren hatte die St. Petri-Pauli-Schule ca. 5 000 Kinder unterrichtet. Darunter waren sowohl Deutsche als auch Russen, Georgier, Armenier, Litauer, Esten, Polen, Juden, Griechen, Aserbaidshaner, Jesiden, Lesgier, Schweden, Norweger, Finnen, Engländer, Franzosen, Italiener, Amerikaner, Tschechen und Serben. In diesen hundert Jahren arbeiteten an der Schule 61 LehrerInnen, davon 32 Deutsche, 12 Russen, 7 Georgier, 3 Armenier, 2 Polen, 2 Franzosen, 1 Este, 1 Grieche, 1 Jude. 1818, ganz am Anfang, führte ein einziger Lehrer in einer Erdhütte den Unterricht für Kinder unterschiedlichen Alters durch, im Oktober 1918 stand an diesem Ort schon eine richtige Schule mit 10 Klassenstufen und 15 Pädagogen.

Als 1918 das Gymnasium seine Tätigkeit mit 13 Schülern aufnahm, hätten wahrscheinlich weder die Gymnasiumsverwaltung noch Enthusiasten sich vorstellen können, dass diese Bildungsanstalt ein so großes Interesse finden würde, und nicht nur von der deutschsprachigen Gemeinde. Das stellte das Gymnasium vor wesentliche wirtschaftliche und administrative Herausforderungen. In den ersten Jahren lief alles so gut, dass das Gymnasium sich nur an der Entwicklung orientierte. Die Schulleitung konnte sich wohl kaum vorstellen, dass lediglich in ein paar Jahren sowohl die politische Lage, als auch die Stellung der Deutschen im Kaukasus sich in einer dramatischen Weise verändern und eine so erfolgreiche Schule nur bis zum 1925 existieren würde.


Die 6-jährige Geschichte des Gymnasiums

Wie schon erwähnt, wurde das Deutsche Realgymnasium in Tbilissi 1918 während der Präsenz der deutschen Militärmission in Georgien und mit unmittelbarer Unterstützung deren Leiters, des Generals Kreß von Kressenstein, gegründet. Er begriff die kulturelle Bedeutung dieser Lehranstalt und soll den Gründungsprozess auf Regierungsebene gefördert haben. Kressenstein entsandte zur Unterstützung des Lehrprozesses auch zwei Personen aus der Belegschaft des Heeres zum Gymnasium. Einer von ihnen, Ingenieur Martin Jäkel, wurde bald Schuldirektor, der in dieser Funktion bis zur Schliessung des Gymnasiums blieb.

Der 1918 nur mit einer 5. und einer 6. Klasse eröffneten Schule wurde schon im nächsten Jahr die 7. Klasse hinzugefügt. Man begann auch Schüler anderer Nationalitäten aufzunehmen. Die 8. Klasse wurde 1920 eröffnet; zu dieser Zeit wurden im Gymnasium schon 77 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Im selben Jahr erhob die georgische Regierung das Gymnasium in den Rang einer staatlichen Lehranstalt. Nun wurden die Gehälter für das Schulpersonal teilweise aus der Staatskasse bezahlt. Immer mehr Jugendlichen, in erster Linie Georgier und Armenier, wollten im Deutschen Gymnasium lernen. Aus diesem Grund eröffnete die Gymnasiumsverwaltung spezielle Vorbereitungsklassen, wo die Jugendlichen mit geringen Deutschkenntnissen sich zum Lernen am Gymnasium vorbereiten konnten.

1920 ergriff das deutsche Realgymnasium eine neue Initiative, die auch von der georgischen Regierung unterstützt wurde. Weil es sowohl in den Schulen der Kaukasusdeutschen, als auch in georgischen und russischen Schulen, an denen Deutsch unterrichtet wurde, am Lehrpersonal mangelte, beschloss man eine pädagogische Klasse zu eröffnen, in der DeutschlehrerInnen ausgebildet werden sollten. Innerhalb eines Jahres unterrichtete man hier neben der deutschen Sprache auch pädagogische Fächer; die Unterrichtssprache war Deutsch. Der Klassenleiter wurde aus Deutschland erwartet. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Qualifikationsklasse sollten sie berechtigt sein, an den sog. „Arbeitsschulen“, den ehemaligen Grundschulen, zu unterrichten.

1921 änderte der Einmarsch der Roten Armee in Georgien und die Errichtung der Sowjetmacht die Situation. Anfangs hatte die neue Sowjetmacht für die Schule anscheinend keine Zeit. Das war ein wichtiges Jahr für das Deutsche Realgymnasium. Im Juni wurden den ersten Absolventen ihre Zeugnisse der Mittleren Reife übergeben. Zum festlichen Abend waren viele Gäste eingeladen, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Unterstützer des Gymnasiums und offizielle Persönlichkeiten, darunter der deutsche Gesandte in Georgien, Herr Ulrich Rauscher mit seiner Familie. Das Reifezeugnis erhielten 11 SchülerInnen, 6 Mädchen und 5 Jungen.

Die Verwaltung des deutschen Realgymnasiums beschwerte sich ständig über den Mangel qualifizierter Mitarbeiter, welche ab September 1920 eine bescheidene Entlohnung aus der Staatskasse bekamen. Deshalb versuchte Direktor Martin Jäkel unentwegt, aus Deutschland Fachkräfte und Mittel heranzuziehen.

Im August 1921 schrieb Dr. Jaekel an einen Unbekannten:

„Der Anfang des 4. Schuljahres steht vor der Tür und immer noch bin ich ohne Hilfe aus Deutschland . . .Ich glaube mich kaum zu täuschen, wenn ich vermute, daß wir als Deutsche z.Z. niergend auf der Erdrund soviel Sympathie genießen wie hier in Georgien. Für die deutsche Schule wird es kaum je noch einmal so günstige Verhältnisse geben wie gerade jetzt: Seit dem Einzug der Bolschewisten liegt das gerogisch-russische Schulwesen derart nieder, dass mir der Vorsitzende des Reformausschusses unumwunden zugab, dass der Erfolg des vergangenen Schuljahres gleich Null wäre. Oft genung habe ich aus dem Munde der Eltern, die Ihre Kinder ins Gymnasiumoder dessen Vorbereitungsklassen anmeldeten, die Äußerung vernommen: Außer der deutschen Schule wird im kommenden Schuljahr in keiner gearbeitet werden . . . Das unter solchen Verhältnissen der Andrang ins deutsche Gymnasium gross ist, bedarf keines weiteren Kommentars. Wenn mir Lehrer, Räume und Bänke hinreichend zur Verfügung ständen, so könnte ich hunderte von Schülern aufnehmen. “Das Eisen ist warm, man braucht es nur zu schmieden!“

1922, nach langem Warten, Briefwechseln, Dutzenden Anträgen und Begründungen bei den zuständigen Institutionen in Deutschland, entsandte das Deutsche Außenministerium neue Lehrkräfte nach Tbilissi. Das war für die deutsche Gemeinde und alle Unterstützer des Gymnasiums ein freudiges und wichtiges Ereignis. Zu ihnen gehörten die Lehrer für Deutsche Literatur und Geschichte des Mittelalters Friedrich Baumhauer und Erich Winguth und die Lehrerin für Deutsche Sprache, Geschichte und Geographie Margarete Winguth.

1922 veröffentlichte die „Kaukasischer Post“ einen Brief von Martin Jäkel, wo er über die Notwendigkeit der Gründung einer georgisch-deutschen technischen Schule schrieb. In der Epoche der Industrialisierung waren neue Berufe und Fachkräfte gefragt. Deshalb wurde nach langen Beratungen mit der zuständigen Kommission der Tbilisser Staatlichen Universität und dem Volkskommissariat für Bildungswesen beschlossen, zum akademischen Jahr 1922-1923 eine deutsch-georgische technische Schule zu eröffnen, deren Ziel die Erziehung der Handwerker, Straßenbauarbeiter sowie alle Arten von Technikern sein sollte. Die technische Schule sollte 4-jährig sein. Für Schüler ohne Deutschkenntnisse wollte die Schulleitung eine Vorbereitungsklasse anbieten.

Ab 1922 begannen auch die Änderungen im schulischen Leben. Die Schule wurde dem Volkskommissariat für Bildung untergeordnet. Als erstes wurde im Lehrplan die Religionsstunde gestrichen und stattdessen „Grundlagen der politischen Ökonomie“ eingeführt. Für die deutsche Gemeinde und Schulleitung war das ein grosser Schlag, man musste sich aber an die neuen Spielregeln anpassen.

1923 haben mehrere georgische Eltern, die ihre Kinder für die Vorbereitungsklasse des Gymnasiums einschreiben wollten, gefordert, eine Parallelklasse auf der rechten Uferstrasse der Kura zu eröffnen, um den sehr langen Schulweg zu verkürzen. Die Regierung stimmte dieser Forderung zu, von nun an fanden die Deutschstunden in Klassenzimmern des Georgischen Gymnasiums statt.

Nach und nach wurde auch das Verfahren der Schüleraufnahme geändert. 1924 hieß das Deutsche Gymnasium zu Tiflis schon „das Technikum N 21“, der Direktor war immer noch Martin Jäkel; In das Technikum, die Arbeitsschulen und Kindergärten wurden die Kinder nach dem sozialen Status ihrer Eltern aufgenommen. Die Aufnahmekommission setzte sich aus Leitern des Komsomol[1], der Gewerkschaft und der Schulverwaltung zusammen; jeder einzelne Antrag wurde überprüft. Den Vorrang hatten Kinder des Proletariats, der Arbeiter und Bauern. Ihnen folgten Kinder der Gewerkschaftsmitglieder. Den Kinder der deutschen Geistlichen und Händler wurde die Aufnahme etappenweise verweigert. Die deutschen kulturellen Aktivitäten waren unter den Bedingungen der Sowjetmacht nur dann zugelassen, wenn sie im Kontext des Klassenkampfes und der Stärkung des internationalen Proletariats standen. Also konnte es nicht mehr so weitergehen, wie die Deutschen es gewohnt waren.

Im Jahre 1924 gab es schon 140 Schülerinnen und Schüler verschiedener Nationalitäten. Ungeachtet des guten Rufes der Schule, erlitt das Gymnasium in den Jahren 1924-1925 einen schweren Schlag: für die Sowjetmacht war jede Aktivität der Nationalen Gruppen insgesamt unannehmbar, besonders wenn es um die Gruppen mit ausgeprägtem religiösen Bestreben ging. Nach dem Aufstand im August 1924 verschärften sich die Kontrollen auf allen Gebieten, u. a. durch Bespitzelung. Die Agententätigkeit wurde vom Abwehrdienst der Sonderkommission der Transkaukasischen Föderativen Sozialistischen Sowjetrepublik geführt, der sog. „TscheKa“.

Zwar durften die am Gymnasium bestehende Klassen, die vor 1924 begonnen hatten, den Unterrichtsprozess abschließen, doch verbot man die Aufnahme neuer Schüler. Das Gymnasium sollte geschlossen werden. Gleichzeitig attackierte die Kommunistische Partei und ihre Deutsche Abteilung alle in Georgien existierenden deutschen Institutionen. Anfang 1924 wurden der Deutsche Nationalrat und der Aufsichtsrat der Schule aufgelöst, die Zeitung „Kaukasische Post“ musste ihr Erscheinen einstellen.

Nach der monatelangen Bespitzelung des Gymnasiums und dessen Mitarbeiter hatte man Berichte über die Pädagogen Jäkel, Baumhauer und Winguth gesammelt; in diesen Akten steht z. B., dass Jaekel über General Kreß von Kressenstein nach Georgien gekommen war, dass er nach seiner Gesinnung ein Monarchist sei und einer deutschen Gruppierung angehört, die sich in den Siedlungen und im Technikum mit antisowjetischer Tätigkeit befasse. Für verdächtig hielt die Ermittlung auch die Tatsache, dass Martin Jäckel den Kontakt zu General Kreß von Kressenstein nicht abgebrochen hatte; Beweis dafür war der während einer Haussuchung beschlagnahmte Brief.

Die Ermittlung besaß die Information, dass im Transkaukasus eine große deutsche Organisation aktiv war, die sich mit konterrevolutionärer Propaganda beschäftigte und die Siedlungen mit chauvinistischen Literatur belieferte. In der gleichen Akte ist zu lesen, dass Friedrich Baumhauer, deutscher Staatsbürger, Spezialist der klassischen und deutschen Philologie, zurzeit Lehrer des 21. Technikums, eine monarchistische und nationalistische Gesinnungen besaß. Bei den Schülern, unter denen viele Georgier waren, genoß er eine große Autorität; er beschäftigte sich mit der Sammlung und Systematisierung wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen im Transkaukasus und wollte sie als Buch herausgeben. Mit großer Wahrscheinlichkeit handele dieses Buch von politischen Fragen der sowjetischen Wirklichkeit. Er hatte enge Kontakte mit wissenschaftlichen Kreisen und führte einen verdächtigen Briefwechsel mit der „Militärvereinigung der Baltischen Staaten“, die von der Sowjetmacht bespitzelt wurde. Die Ermittlung war der Meinung, dass Baumhauer unter Jugendlichen antisowjetische Ideen verbreitete.

Auf Grund dieser Berichte wurden 1924 Martin Jäkel, Friedrich Baumbauer und Erich Winguth verhaftet, in ihren Wohnungen und an ihren Arbeitsplätzen fanden Hausdurchsuchungen statt, zahlreiche persönliche und schulische Dokumente wurden beschlagnahmt, unter ihnen Bescheinigungen und Quittungen, laut deren Jäkel vom Konsul Wesendock den Lohnzuschlag zur Verteilung unter Baumhauer und Winguth erhielt. Das war für die Ermittlung eine verdächtige Angelegenheit. Die Inhaftierten wurden der antisowjetischen Propaganda und Agententätigkeit beschuldigt. Ihre Freilassung wurde durch den Einsatz des deutschen Konsuls Wesendock und wegen ungenügender Beweise erwirkt, für Baumhauer und Wineguth nach 14 Tagen, für Jäkel nach 25 Tagen. Doch ihnen wurde nicht gestattet, ihre Lehrtätighkeit an der Schule fortzuführen. Sie waren gezwungen, 1925 das Land zu verlassen.

Diesen Sturm gegen die örtlichen deutschen Institutionen erklärte die deutsche Presse mit dem Missfallen, dass der August-Aufstand bei der russischen Seite erregte.

Nach Martin Jäkels Entlassung von der Funktion des Schulleiters wurde die Schule der kommunistischen Verwaltung unterstellt und zum Direktor ein aus dem Baltikum stammender Deutscher, Genosse Nickwitz, ernannt. Seine Arbeitsweise bewirkte in der Schule schon nach einigen Wochen Disziplinlosigkeit, was eine Konfliktsituation zwischen der Schulverwaltung und den Schülern hervorrief. Die Regierung hielt das für einen ausreichenden Grund, die Schule zu beseitigen. Am 15. Oktober 1925 wurde das Deutsche Technikum (Realgymnasium) vom „Narkompros“ d.h. Volkskommissariat für Bildungswesen geschlossen; die bestehenden Klassen wurden an eine Arbeitsschule und ein spezielles Technikum überführt.

Die Petri-Pauli Schule, die bereits Arbeitsschule hieß, bestand voraussichtlich bis zum Ende der 20er Jahre. Der Terror und die Repressionen der 1930er Jahre betrafen auch die deutsche Gemeinde. 1933 wurde die lutherische Kirche geschlossen und Richard Mayer, ihr letzter Pastor, festgenommen und höchstwarscheinlich erschossen.

1941 wurden im Einklang mit dem Befehl N 744 des Staatlichen Verteidigungskomitees der UdSSR „Über die Zwangsverschickung der Deutschen aus den Sowjetrepubliken Georgien, Aserbaidschan und Armenien“ die Deutschen nach Zentralasien deportiert.

1946 ließ man von deutschen Kriegsgefangenen die evangelisch-lutherische Kirche in Tiflis zerstören.

Die Beteiligung der deutschen Gemeinde am kulturellen und Bildungsleben dauerte über 100 Jahre und hätte noch länger gedauert, hätte es die Okkupation Georgiens 1921 nicht gegeben mit ihren tragischen Folgen. Mit dem Verschwinden der deutschen Siedlungen und der Deportation der deutschen Gemeinde ging in Tbilissi, das immer eine offene und multinationale Stadt war, eine wichtige Tradition der städtischen Kultur verloren und für lange Zeit geriet die Geschichte der Schulen und der deutschen Kulturinstitutionen von Neutiflis in Vergessenheit.

Das Wohnhaus von Pastor Mayer, das Gebäude des Realgymnasium und weitere Häuser, die mit der Geschichte der Deutschen in Georgien verbunden sind, kann man in Tbilisi bis heute finden. Aber nur die Wenigen wissen, welche Geschichten mit diesen Gebäuden verbunden sind.


[1]Der Komsomol - die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Das Silbenkurzwort wird aus den Anfangssilben der Wörter Коммунистический союз молодёжи („Kommunistischer Jugendverband“) gebildet


german-georgian(at)archive(at)ge

Obwohl die Deutsche Kaukasusexpedition nur einige Monate in Georgien blieb, war der Sommer 1918 eine Zeit vieler gemeinsamer georgisch-deutscher Ideen, Aktivitäten und Hoffnungen. Deutschland verfolgte in Georgien eigene Interessen und zog daher verschiedene Initiativen im Kontext der eigenen Außenpolitik in Erwägung. Auch Georgien hatte eigene Pläne und hoffte auf die Unterstützung und den Schutz eines starken Staates in seinen Innen- sowie außenpolitischen Angelegenheiten. So war der Boden bereitet für neue georgisch-deutsche Projekte im sozialen Bereich, in Kultur und Bildung.

Die in Georgien lebenden Deutschen erfüllten sich in dieser Zeit ihren langjährigen Wunsch und gründeten das Deutsche Realgymnasium von Tiflis, selbstverständlich mit Unterstützung der Deutschen Kaukasusexpedition und der georgischen Regierung.Die deutsche Seite eröffnete das Deutsche Militärkrankenhaus in Tiflis, von dessen Gründungsgeschichte wir in einem anderen Beitrag berichten werden. Die Zusammenarbeit zwischen den zwei Ländern fand jedoch nicht nur auf Regierungsebene statt. Politisch und gesellschaftlich engagierte Bürger zeigten Initiative und gründeten 1918 die Georgisch-Deutsche Kulturgesellschaft, deren Vorhaben sehr weit in die Zukunft hineinreichten.

Viele dieser Projekte, die mit großen Hoffnungen initiiert worden waren und verschiedene Ziele verfolgten, wurden entweder sofort nach dem Abzug der Kaukasusexpedition oder später wegen der bolschewistischen Okkupation gestoppt; nur einige wenige konnten bis zum Ende der 1920er Jahre weiterbestehen. Doch auch diese konnten dem Druck der Sowjets (die häufig offen anti-deutsch war) nicht standhalten.

Einen kleinen Teil dieses kulturell-gesellschaftlichen Mosaiks, das in den Jahren 1918–1921 entstand, bildete die 1918 gegründete Deutsch-Georgische Handelskammer, über die wir zwar nicht viel wissen, aber was wir wissen, für erzählenswert halten.

Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen spielten eine wichtige Rolle in den georgisch-deutschen Beziehungen. Außer am Warenaustausch und Handel war Deutschland auch an Bodenschätzen und anderen Rohstoffen interessiert. 1918 kam zusammen mit der Deutschen Kaukasusexpedition auch die Wirtschaftsabteilung nach Tiflis und ließ sich in der Griboedov-Straße 18 nieder. Die Wirtschaftsabteilung war für den Warenaustausch zwischen den beiden Ländern zuständig. In deutschen Archiven sind interessante Berichte erhalten, die von der Wirtschaftsgruppe der Expedition vorbereitet wurden und das Potenzial Georgiens für Wirtschaft und Handel beschreiben.

Auf deutscher Seite war Thilo von Westernhagen in Fragen der Wirtschaft und des Warentauschs leitend. Er war gekommen, um die Angelegenheiten des Ölkartells in Österreich-Ungarn und Deutschland und allgemein des Exports verschiedener pflanzlicher Öle zu regeln. Vor dem Krieg war er in Paris und London im Ölgeschäft tätig gewesen, während des Krieges lebte er in New York. Im Allgemeinen hatte Westernhagen in Wirtschaftskreisen einen guten Ruf.[1] Die Verhandlungen auf Regierungsniveau verliefen mehrgleisig. Auf Anordnung des Außenministeriums hin wurde im Rahmen dieser Zusammenarbeit der „Ausschuss zum Warenaustausch zwischen Georgien und Deutschland“ gegründet, in dem das Mitglied des Nationalrats Petre Surguladze die Interessen Georgiens vertrat [2]. Der Ausschuss hatte die Absicht, sich mit den Handelsfragen zwischen Georgien und Deutschland auseinanderzusetzen. Dabei waren der stellvertretende Handels- und Wirtschaftsminister Giorgi Nikoladze, der Händler Alexandre Jabadari (der zugleich auch Vorsitzender der Vereinigung der Tifliser Händler und Wirte war) und ein gewisser Gogebaschwili von den Kooperatoren[3].

Ausser der deutschen Wirtschaftsdelegation und dem Ausschuss für den Warenaustausch gründeten die Vertreter der Gesellschaft im Juli 1918 auch die Deutsch-Georgische Handelskammer. Am 30. Juli wurde auf der Mitgliederversammlung der Rat der Wirtschaftskammer gewählt: Konstantine Abkhazi, Sohn von Dimitri, E. A. Wakano, Razhden Dateschidse, Alexandre Jabadari, Giorgi Ewangulow, Nikoloz Ioseliani, R. K. Kaiser, A. A. Kavtaradse, Iason Lortkipanidse, O. G. Mazmanow, Juri Paghawa, Mikheil Sumbataschwili, Artem Seilanow, P. I. Sosin, W. O. Ter-Zakharow, Nikoloz Tswerawa, Akaki Khoschtaria, G. G. Schadinow, I. M. Strang. Zum Vorsitzenden wurde Akaki Khoschtaria ernannt, zu seinen Stellvertretern Konstantine Abkhazi, Giorgi Ewangulow, Mikheil Sumbataschwili, Artem Seilanow sowie D. A. Korkia zum Geschäftsführer.[4]

Das Ziel der Arbeit der Deutsch-Georgischen Handelskammer war die wirtschaftliche Annäherung Georgiens und Deutschlands anhand ihrer Handels- und Wirtschaftsinteressen. Um dieses Ziel zu erreichen, plante die Handelskammer, ständigen Kontakt mit den Handels- und Wirtschaftsorganisationen im Kaukasus sowie mit den Handels- und Wirtschaftsbehörden Georgiens zu halten. Außerdem sollten der georgischen Regierung die Handels- und wirtschaftlichen Interessen sowohl der Gesellschaft als auch privater Einrichtungen nahegebracht werden. Die Handelskammer beabsichtigte, thematische Publikationen herauszugeben und eine Handels- und Wirtschaftsstatistik zu erstellen. Des Weiteren plante sie Wettbewerbe von Exportwaren, Dauer- und Wechselausstellungen und gegebenenfalls die Gründung von Museen und speziellen Bibliotheken.

„Wie der Satzung zu entnehmen ist, hat die kürzlich gegründete Handelskammer zum Ziel, sehr nützliche und notwendige Maßnahmen zugunsten unseres Landes durchzuführen. Wir wünschen ihr, sie möge ihre ersten Schritte fest und liebevoll tätigen, damit sie erwünschte Früchte tragen zum Wohl unserer Republik und zum Gedeihen seiner wirtschaftlichen Lage“[5], schrieb die Zeitung „Sakhalkho sakme“ (Volksangelegenheiten) im August 1918.

Im August war die Entsendung einer deutschen Handels- und Wirtschaftsdelegation geplant. Unter der Delegierten war auch Mikheil Sumbataschwili, der zugleich Mitglied der Deutsch-Georgischen Handelskammer war. Der Ausschuss für den Warenaustausch hatte verschiedene Kandidaten für die Delegation. So schlug der Ausschuss beispielsweise dem Verein der Apotheker vor, einen eigenen Kandidaten für die Delegation zu stellen, der solle in Deutschland Medikamente auswählen und anwerben. Allgemein verdient die Zusammensetzung der Delegation eine gesonderte Erforschung ihrer Mission und ihrer Entsendung. Das werden wir für die Zukunft aufheben. Es ist offensichtlich, dass die Deutsch-Georgische Handelskammer aktiv involviert war in die Handels- und Wirtschaftsgeschäfte, die damals im Lande zu beobachten waren.

Sumbataschwili hatte für Deutschland eine besondere Mission: er hätte auf Auftrag der georgischen Regierung hin den Handels- und Wirtschaftskreisen Deutschlands von der wirtschaftlichen Lage und dem Potenzial Georgiens berichten sollen. Gleichzeitig musste er die Besonderheiten des Marktes in Deutschland sowie die Bedingungen für den Warenaustausch studieren und, was am wichtigsten war, „in Berlin eine Deutsch-Georgische Handelskammer gründen, die zur Annäherung beider Länderauf Grundlage der Handels- und Wirtschaftsinteressen beitragen würde.“ [6] Solch weitgehende und ambitionierte Pläne wurden hinsichtlich der Zusammenarbeit der beiden Staaten geschmiedet.

Die deutschen Interessen in den Wirtschafts- undHandelsbeziehungen sahen viele skeptisch und kritisierten sie. Thilo von Westernhagen mußte nicht nur den Rahmen der Zusammenarbeit festlegen, sondern diese auch sehr detailliert kommentieren und erklären, um die Zweifel zu zerstreuen. So veröffentlichte z.B. die einzige deutschsprachige Zeitung im Kaukasus, die „Kaukasische Post“ in ihrer Ausgabe #53 vom 11. September 2018 ein Interview mit Westernhagen. Darin beantwortete er die Fragen des Zeitungsredakteurs und erläuterte, die Deutschen seien nach Georgien gekommen, nicht um die Ressourcen des Landes auszuführen und das Land arm zurückzulassen, wie es die damaligen Feinde Deutschlands darstellten, sondern um eine Zusammenarbeit und Initiativen ins Leben zu rufen, die auf beiderseitigen Interessen beruhten und zum Frieden in der Region beitragen würden. Seiner Meinung nach war Georgien ein grenzenlos reiches Land, was die Fruchtbarkeit des Landes und seine Bodenschätze betraf, und dieser Reichtum könne jeder Schicht der Gesellschaft Wohlstand bringen. Gerade an Bodenschätzen war Deutschland interessiert und versprach, dafür im Gegenzug Georgien mit Produkten zu beliefern (Warenaustausch), die das Land zum Existieren brauchte.

Westernhagen versicherte, dass alle Produkte, die Georgien brauchte, in Deutschland erhältlich waren oder produziert werden konnten, denn deutsche Fabriken hätten auch im Krieg nicht aufgehört zu funktionieren. Er war der Meinung, dass Georgien diese Fabriken mit Rohstoffen beliefern konnte. Er schätzte die politische sowie die wirtschaftliche Lage der kaukasischen Region nicht als verlässlich ein und hielt die Gründung einer deutsch-kaukasischen Handelsbank für ein wichtiges Instrument für den ungestörten Verlauf der Zusammenarbeit.[7] Die Geschichte der deutsch-kaukasischen Bank werden wir unseren Lesern im Laufe des Jahres erzählen.

„Niemand kann der Tatsache widersprechen, daß die Zukunft Georgien ein brillantes Schicksal verspricht“, sagte Thilo von Westernhagen am Ende des Zeitungsinterviews. Die Stimmung war wahrlich optimistisch und nach dem intensiven Sommer sogar feierlich. Warum auch nicht? Es wurden doch so viele Projekte angeregt, die Grundlagen für die Zusammenarbeit gelegt und eine Reihe neue Initiativen ins Leben gerufen… Im Realgymnasium von Tiflis, das am 15. Oktober gegründet wurde, hatte das Schuljahr angefangen. Der erste Jahrgang bestand aus 33 Schülern. Die georgisch-deutsche Kulturgesellschaft versuchte eine breite Palette an Bildungsaktivitäten zu entfalten und die Handels- und Wirtschaftskontakte gewannen an Kraft.

Am 27. Oktober fand eine weitere gemeinsame Veranstaltung statt:

„Am Sonntag, dem 27. Oktober, um 12.00 Uhr findet das erste georgisch-deutsche Konzert unter der Leitung des georgischen Armeechorleiters und Hauptchormeisters K. Potskhweraschwili statt.Nach dem Auftritt der Musikband wird das zahlreich besetzte georgisch-deutsche Orchester (mit 100 Personen) unter der Leitung des Chormeisters K. Potskhweraschwili hervorragende Stücke georgischer Armeemusik spielen. Unter anderem werden alte georgische Hymnen, Jamben, Munasibe, Loblieder und andere vorgetragen. Auf dem Programm steht auch die georgische Hymne mit Orchester, Laschkruli, ein georgisches Volksgebet, der Freiheitsmarsch, die Armasi-Hymne aus der Oper „Sturz der Idole“ und andere. Am Ende wird ein wunderbarer Höhepunkt dargeboten: es wird das Bild des Denkmals vom freien Georgien errichtet“ – schrieb die Zeitung Sakhalkho Sakme (Nr. 367).

Die Ideen für die Zukunft, für eine aktive, multidisziplinäre Zusammenarbeit und die feierliche Stimmung wurden durch die Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg beendet. Im November begannen die deutschen Truppen mit dem Abzug aus dem Kaukasus. Die ein paar Monate zuvor mit großem Enthusiasmus gegründete georgisch-deutsche Kulturgesellschaft hörte vorübergehend auf zu existieren.

Was die Deutsch-Georgische Handelskammer betrifft, wissen wir im Moment nur, dass ihre Vertreter im September 1918[8] auf Initiative der deutschen Delegation zusammen mit den Vertretern des deutschen Wirtschaftskomitees an der Arbeit des Vorbereitungskomitees für den Ausschuss des Warenaustauschs beteiligt waren. Das Vorbereitungskomitee war beauftragt worden zu erörtern, welche und wie viele Waren zu welchem Preis aus Georgien exportiert und welche Ware nach Georgien importiert werden sollten.

Nach November waren die Bedingungen für mit Deutschland verbundene Initiativen in Georgien und im ganzen südlichen Kaukasus ungünstig geworden. So hat höchstwahrscheinlich auch die Deutsch-Georgische Handelskammer ihre Arbeit aufgegeben. Vom Warenaustausch oder anderen großen Projekten war nicht mehr die Rede. Nur das Deutsche Gymnasium von Tiflis und das Deutsche Kriegskrankenhaus funktionierten vorübergehend noch weiter.

P. S. Eine gründlichere Erforschung der georgisch-deutschen sozialen, kulturellen und Bildungstätigkeiten und Projekte werden wir den Lesern 2021 in dem Sammelband „Georgisch-Deutsches Mosaik 1918-1921) anbieten, an dem das Soviet Past Research Laboratory zusammen mit seinen Partnerorganisationen arbeitet.


[1] Sakartwelos respublika, # 41, 13.09.1918 S. 3

[2] Sakartwelos respublika, # 5, 30.07.1918

[3] dort weiter

[4] dort weiter

[5 ] Sakartwelos respublika, # 19, 17.08.1918

[6] Sakartwelos respublika, # 5, 30.07.1918

[7] Sakartwelos respublika, # 55, 02.10.18

[8] Sakartwelos respublika, # 38, 10.09.18


Anna Margvelashvili
24.01.2020

german-georgian(at)archive(at)ge

Tbilisi Ivane Javakhishvili State University
Ivane Djavachischvili Staatliche Universität Tbilissi
E-mail: sgelaschwili(at)gmx.de

Universität Potsdam
Finanzwissenschaftliche Diskussionsbeiträge
Arbeitspapiere des Deutsch-Georgischen Arbeitskreises für Finanz- und Sozialpolitik

Publisher:
Prof. Dr. Hans-Georg Petersen
University of Potsdam
Faculty of Economics and Social Sciences
Chair of Public Economics
August-Bebel-Str. 89
D - 14482 Potsdam

No. G-12
2010

Mit den Finanzwissenschaftlichen Diskussionsbeiträgen werden Manuskripte von den Verfassern möglichen
Interessenten in einer vorläufigen Fassung zugänglich gemacht. Für Inhalt und Verteilung sind die Autoren
verantwortlich. Es wird gebeten, sich mit Anregungen und Kritik direkt an sie zu wenden und etwaige Zitate aus
ihrer Arbeit vorher mit ihnen abzustimmen. Alle Rechte liegen bei den Verfassern.


Zusammenfassung:

Der vorgestellte Beitrag erforscht die wirtschaftlichen Tätigkeiten des großen deutschen Unter-
nehmens Siemens und Halske in Georgien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diesbe-
züglich sind in der Arbeit die folgenden Schwerpunkte gesetzt worden:
- Erforschung des Wirkens der Firma Siemens und Halske und seiner Folgen;
- Darstellung der positiven und negativen Seiten des Einflusses auf die georgische Wirtschaft.
Die wissenschaftliche und praktische Relevanz kann wie folgt formuliert werden:
- Es wird begründet, dass die Firma Siemens und Halske durch ihre Aktivitäten in Georgien
(Bau von Telegrafenleitungen, Einführung einer Reihe von Neuheiten in der Kupfer- und
Erdölproduktion) eine entscheidende Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes
spielte;
- Die Aktivitäten der Firma, deren positive und negative Seiten sowie ihr Einfluss auf die
georgische Wirtschaft werden im Einzelnen charakterisiert.
________________________________
Der Autor – Prof. Dr. Simon Gelaschwili bedankt sich bei Herrn Prof. Dr. Hans-Georg Petersen
(Lehrstuhl für Finanzwissenschaft der Universität Potsdam) sowie besonders bei der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) für die finanzielle Unterstützung, die ihm die Möglichkeit ge-
geben hat, während seines Forschungsaufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland erfolg-
reich zu arbeiten.


I. Einführung

Im 19. Jahrhundert, insbesondere in dessen zweiten Hälfte, gab es eine Reihe wichtiger Ereig-
nisse im Südkaukasus, in deren Folge günstige Bedingungen für die Entwicklung des Kapi-
talismus erstanden. Aber allein die sozial-wirtschaftliche und politische Lage sowie der Reich-
tum an Bodenschätzen konnten eine rasche Entwicklung der Betriebswirtschaft und Volks-
wirtschaft generell nicht garantieren. Benötigt wurde eine wesentliche Menge an freiem
Kapital, das die ansässige Bourgeoisie (Bürgertum) so gut wie nicht besaß. Auch ein Versuch
des Staates, sich selbst entscheidend für die Entwicklung von Landwirtschaft, Betriebswirt-
schaft, Transport, Handel und Bankwesen einzusetzen, brachte keinen Erfolg.

Zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland unter den kapitalistischen
Staaten besonders aktiv. Deutschland hatte große Erwartungen an den Bau der Bagdader Eisen-
bahnlinie. Diese Eisenbahnlinie sollte eine Ader des wirtschaftlichen Vordringens Deutschlands
nicht nur in die Türkei, sondern auch in das nahe und mittlere Asien werden. Das strategische
Endziel dieser Politik war die Stärkung der Positionen im Kaukasus, in den mittelasiatischen
Ländern und in Britisch-Indien. Nach dem Generalplan versuchten deutsche Monopole,
politische Agenturen, die Diplomatie sowie militärische Kreise im Nahen und Mittleren Osten
den deutschen Einfluss zu stärken.

Der Südkaukasus war eines der ersten Gebiete, wo sich deutsches Kapital durchsetzte. Der
Kampf mit den Konkurrenten (Kapital aus England, Frankreich, Belgien, USA u.a.) dauerte
dabei fast ein halbes Jahrhundert. Danach gelang es dem deutschen Kapital, sich in den
verschiedenen Gebieten der kaukasischen Volkswirtschaft stark zu positionieren. Nachdem das
deutsche Kapital sich auch in der Landwirtschaft durchgesetzt hatte, wurden im 19. Jahrhundert
einige große spezialisierte Wirtschaften geschaffen. Das deutsche Kapital stärkte seinen
Einfluss auch in den Bereichen Mangan-, Kupfer-, Erdölgewinnung und -verarbeitung sowie in
der Metallurgie und Metallverarbeitung.

Deutsches Kapital, wie generell fremdes Kapital, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
nach Georgien floss, hatte als Ziel, höchstmöglichen Gewinn zu erarbeiten. Dieser Drang zum
hohen Gewinn zwang es dazu, in den Betrieben für die damalige Zeit moderne Technik,
Ausstattung und Technologien einzuführen. Außerdem bildete ausländisches, darunter auch
deutsches, Kapital in Georgien ansässige Arbeitskräfte aus, da es mit sehr hohen Kosten
verbunden war, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Dies garantierte seinerseits gut quali-
fizierten Nachwuchs.

In der jetzigen Zeit werden gemeinsame Unternehmen mit ausländischen Firmen, insbesondere
aus EU-Ländern, gegründet. Für die Weiterentwicklung der georgischen Wirtschaft und das
Anlocken fremden Kapitals in den unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft ist es besonders
wichtig, die Bedingungen und Methoden der fremden Kapitalanlagen sowie wirtschaftliche
Aspekte der Geschichte zu erforschen, damit durch die Erfahrungen aus der Vergangenheit
Fehler vermieden werden können, die gewisse Schäden für beide Seiten anrichten könnten.
Daher besteht eine sehr große Verantwortung bei der Herstellung solcher Beziehungen für die
Formen und den Charakter dieser Aktivitäten und für die daraus resultierenden Folgen.


II. Das Wirken der Firma Siemens und Halske in Georgien im 19. Jahrhundert im Bereich Telekommunikation und dessen Bedeutung

Die Firma Siemens wurde in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts von dem berühmten
deutschen Erfinder und späteren Mitglied der Berliner wissenschaftlichen Akademie, Ernst
Werner Siemens (1816 – 1892) gegründet. Werner Siemens arbeitete als Forscher seit 1840 im
Bereich der Galvanoplastik und zwar an der Verwendung der Technik zur Vergoldung und
Verzinkung. 1845 erfand Siemens, zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, einen Dampfma-
schinenregler. Insbesondere arbeitete er im Bereich Elektrotechnik, und führte besonders viele
Neuheiten im Bereich der Telegrafie ein. Bereits in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde
die Firma, dank einiger guter Erfindungen und Neuheiten, finanziell stärker und wurde bald in
Europa und auch in der gesamten Welt berühmt.

1847 vereinbarten Werner Siemens und der Mechaniker Johann Georg Halske, für die Zu-
sammenarbeit in Bereichen wie dem Bau von Telegrafenleitungen, Herstellung elektrischer
Geräte usw. eine gemeinsame Firma zu gründen. Mit der finanziellen Hilfe seines Cousins, des
berühmten Juristen Georg Siemens, richtete Werner Siemens zusammen mit Halske eine kleine
Werkstatt ein, in der die Grundlage für die spätere Firma gelegt wurde. In der Werkstatt waren
anfangs 10 Menschen beschäftigt. Die Firma Siemens und Halske war die erste in Europa, die
sich auf den Bau von Telegrafenleitungen spezialisierte. Zur damaligen Zeit wurden in Europa
immer mehr Telegrafenleitungen gebaut, was die Firma zusätzlich stärkte. In den 40er Jahren
des 19. Jahrhunderts baute Werner Siemens einige Land- und Unterwasserleitungen in Preußen
und im gesamten Deutschland, wo er als Gründer der Elektrotelegrafie galt. In den 50er und
60er Jahren nahm er an dem Bau mehrerer Unterwasserleitungen zwischen Europa und anderen
Kontinenten teil. 1866 baute die Firma eine transatlantische Leitung zwischen England und
Amerika. Weiterhin erzielte die Firma besondere Erfolge nach der Einführung der elektrischen
Beleuchtung. In den 60er bis 70er Jahren wurde die Firma führend in Deutschland und eine der
wichtigsten in Europa im Bereich der elektrotechnischen Industrie.

Die Firma Siemens und Halske war eine der ersten, die Kapitalinvestitionen im Ausland
durchführte. In den 80er Jahren eröffnete sie Niederlassungen in vielen europäischen Ländern
und später auch außerhalb Europas, unter anderem in den USA. Die ersten geschäftlichen
Kontakte nahm Siemens in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Mit dem ersten Auftrag baute
die Firma entlang der sich zwischen St. Petersburg und Moskau im Bau befindlichen Eisen-
bahnlinie eine Telegrafenleitung zwischen diesen zwei Städten. 1852 begann Siemens und
Halske ihre Geschäfte im russischen Imperium auszuweiten. 1852 baute die Firma eine Leitung
Riga – Petersburg – Kronstadt und 1854 eine 1100 Werst lange Leitung zwischen Petersburg
und Warschau. 1855 wurde in Petersburg eine Niederlassung (Filiale) von Siemens und Halske
gegründet, welche bald die Führungsposition gegenüber den im russischen Imperium bereits
ansässigen Firmen übernahm. Diese Niederlassung leitete ein Bruder von Werner, Karl
Siemens. Die Firma hatte eine Niederlassung auch in London. Die Petersburger Niederlassung
war sehr einflussreich und faktisch entstand daraus eine eigenständige Firma. Ungeachtet
dessen arbeitete sie wissenschaftlich, technisch und finanziell eng mit den Berliner und
Londoner Abteilungen zusammen.(*1) 1869 verließ Mitgründer Halske die Firma, aber in Berlin
und Petersburg behielt die Firma trotzdem ihren alten Namen, während sie in London danach
als „Firma der Brüder Siemens“ geführt wurde.
In Russland, genauer im Kaukasus, nahm Siemens und Halske ihre Beschäftigung früher als
andere deutsche Firmen auf. Wie Werner Siemens sagte, dank der in Russland erzielten Erfolge
wurde die Firma eine der berühmtesten der Welt und eine der stärksten kapitalistischen Vereini-
gungen. Der Vertrag, den die russische Regierung und die Firma unterschrieben, galt für 12
Jahre. In diesem Zeitraum erhielt die Firma von der Regierung für die durchgeführten Arbeiten
3,4 Millionen Rubel.(*2) Ab den 70er Jahren erweiterte die Petersburger Firma ihre Aktivitäten im
Bereich Elektrotechnik. Seit diesen Zeiten ist sie aktiv mit dem Bau von Leitungen für die
elektrische Beleuchtung und Straßenbahnlinien beschäftigt. Anfang der 80er Jahre baute die
Firma in Petersburg ein großes elektrotechnisches Werk.(*3)
Mit dem Bau der Telegrafenleitung in den 50er Jahren nahm die Firma Siemens und Halske
ihre Tätigkeiten im Südkaukasus auf. Nach dem Krimkrieg war die Lage im gesamten
russischen Imperium und auch im Kaukasus sehr ungünstig. Aus diesem Grund bat die
kaukasische Verwaltung 1857 die Zentralregierung um Unterstützung beim Bau der Tele-
graphenleitungen. Dies diente an erster Stelle der Herstellung eines schnellen Kontakts
zwischen der Verwaltung und den in den verschiedenen Regionen stationierten Einheiten der
Armee. Der Stellvertreter des Königs im Kaukasus, Barjatinski, bat die Zentralregierung, als
erstes eine 20 Kilometer lange Leitung zwischen Tbilisi und Kojori zu bauen, wo die Einheiten
der russischen Armee stationiert waren. Später beantragte er auch den Bau anderer Leitungen.
Nach dem Krimkrieg waren die Staatskassen leer, weshalb Barjatinski um Erlaubnis bat, ein
Teil der lokalen Einnahmen für den Bau zu verwenden. Außerdem bat er um Hilfe, mit der
Petersburger Abteilung von Siemens und Halske Kontakt aufzunehmen. Nachdem Barjatinski
die Erlaubnis für den Bau bekam, setzte er für den Bau die Firma Siemens und Halske ein. Die
erste Telegrafenleitung im Südkaukasus, die Tbilissi und Kojori miteinander verband, wurde im
Juli 1858 in Betrieb genommen.(*4) Danach wurden auch andere Telegrafenleitungen im Süd-
kaukasus in Betrieb genommen: Tbilissi – Poti (mit einem Abzweig nach Borjomi), Tbilissi –
Stavropol, Tbilissi – Baku, Kaukasus – Persien, Kaukasus – Türkei und als letztes Indien –
Europa, die durch Tbilissi lief.(*5)
1860 wurde in Tbilissi eine Abteilung der Petersburger Siemens und Halske gegründet. Die
Niederlassung leitete ein weiterer Bruder von Werner, Walter Siemens, der bald danach im
Jahre 1863 Leiter des in Tbilissi eröffneten preußischen Konsulats wurde. Wenig später ist die
Tbilisser Abteilung in eine Niederlassung der Petersburger Siemens und Halske umwandelt
worden. Diese bekam die Aufgabe, die bereits laufenden Bauarbeiten der Telegrafenleitungen
fortzusetzen, Beschädigungen zu beseitigen und generell ein reibungsloses Funktionieren der
Telegrafenleitungen zu gewährleisten.
1868 verunglückte Walter von Siemens. Statt seiner wurde als Leiter der Tbilisser Nieder-
lassung der jüngste Bruder Otto eingesetzt, der mit der Hilfe von Werner auch preußischer
Konsul in Tbilissi wurde. Dies war auch mit der Regierung in Tbilissi abgestimmt, da sie
großes Interesse an dem Bau der Telegrafenleitungen im Südkaukasus zeigte. Dank den von
Siemens gebauten Telegrafenleitungen bekamen die Vertreter des deutschen Kapitals umfang-
reichere Berichte über die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Tätigkeit in der Region.(*6)

Der Bau der Telegrafenleitungen im Südkaukasus hatte enorme Bedeutung in der Beschaffung
von Kapital für die Siemens und Halske. Der Vertrag über die Gewährleistung des reibungs-
losen Funktionierens der russischen Telegrafenleitungen wurde seitens der russischen Regie-
rung nicht verlängert. Aus diesem Grund konzentrierte sich das Geschäft von Siemens und
Halske seit 1866 bis zu den 90er Jahren überwiegend auf den Südkaukasus. Nach dieser Zeit
erstarkte die Firma wieder in Russland, hauptsächlich im Bereich des elektrotechnischen
Betriebs. Genau zu dieser Zeit zogen die jüngeren Brüder von Werner Siemens nach Tbilissi,
später auch Karl mit den Familien. Sie hatten vor, sich hier langfristig anzusiedeln. Dies belegt
noch einmal, wie viel Wert die Siemens auf ihre Tätigkeiten im Südkaukasus legten.

Den Bau der Telegrafenleitungen im Südkaukasus leitete und kontrollierte die kaukasische
Verwaltung. Seit 1862, nachdem Barjatinski den Kaukasus verließ, betreute diese Arbeiten der
berühmte georgische Dichter und Wirker, Grigol Orbeliani(*7), der zu dieser Zeit die Arbeit des
Stellvertreters des Königs übernommen hatte. Für die Verwaltung und Inbetriebnahme der
Telegrafenleitungen war die speziell für diesen Zweck geschaffene Abteilung für die
kaukasische Telegrafie zuständig.

Das Hauptziel der Tätigkeiten von Siemens und Halske war, möglichst hohen Gewinn zu
erzielen und Kapital zu beschaffen. Im Großen und Ganzen erreichte sie dieses Ziel. Der Bau
der Telegrafenleitungen im Kaukasus war für die königliche Regierung sehr günstig, da sie die
Stärkung der militärisch–strategischen Positionen im Südkaukasus unterstützte. Der Bau der
Telegrafenleitungen hatte objektiv positive Folgen für die Völker des Südkaukasus, darunter
auch für die Georgier. Er unterstützte die Stärkung des Handels, der wirtschaftlichen und
kulturellen Beziehungen zwischen den verschiedenen Regionen Georgiens und seiner Be-
ziehungen mit Russland und den Ländern Europas.

In Folge des Russisch–Türkischen Krieges 1877–1878 wurden Batumi und Kars wieder Geor-
gien angegliedert, welche bald durch Telegrafenleitungen mit Tbilissi und miteinander verbun-
den wurden.(*8) Auch diese Leitungen baute die Firma Siemens und Halske. Somit wurde bis zum
Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts der gesamte Kaukasus durch Telegrafenleitungen
vernetzt. Jede einigermaßen große Stadt hatte Telegrafenkontakt mit anderen Städten. Die
meisten dieser Leitungen wurden mit den Finanzmitteln der ansässigen Bevölkerung gebaut.
Große Bedeutung hatte ebenso der Bau der Telegrafenleitung zwischen dem Kaukasus und
Persien und zwischen dem Kaukasus und der Türkei. 1865 wurde der Telegrafenkontakt
zwischen Tbilissi und Teheran in Betrieb genommen. Durch Tbilissi stellte Teheran Kontakt
mit Moskau und Petersburg und durch Petersburg mit Europa her.(*9) Dank dieser Leitung bekam
England die Möglichkeit, mit Indien Kontakt herzustellen. Weiterhin ermöglichte sie der
russischen Regierung, den Telegrafentransit zwischen England und Indien zu kontrollieren und
die Handelsbeziehungen mit Persien wesentlich zu beeinflussen. Die englische Regierung gab
sich mit der russisch – kaukasisch – persischen Telegrafenleitung nach Indien nicht zufrieden
und wollte eine Leitung nach Indien durch die Türkei und andere europäische und asiatische
Ländern bauen. Der im Jahr 1864 von England und den osmanischen Reich unterschriebene
Konvent sah eine Aufteilung der Kosten für die Telegrafenleitung unter den zwei Ländern
vor.(*10) Die zaristische Regierung war sehr skeptisch gegenüber dem Bau der Englisch –
Indischen Leitung durch Konstantinopel, Bagdad und den persischen Golf.

Georgien war bereits durch Telegrafenleitungen mit Europa, Persien und Indien verbunden. Es
gab aber keine solche Verbindung zur Türkei. Eine Verbindung der Türkei mit Europa und
England durch Telegrafenleitungen betrachtete Russland als unerwünscht und versuchte, den
Bau der Leitung zu verhindern. Trotz dessen wurde am Ende des Jahres 1869 eine Verein-
barung zwischen Russland und der Türkei ratifiziert, die die Herstellung einer Verbindung
zwischen Russland und Türkei von Moldau und dem Kaukasus aus vorsah.(*11) Der Bau dieser
Telegrafenleitung wurde 1871 vollendet und der Südkaukasus wurde durch Batumi mit dem
Osmanischen Reich verbunden.

Das Anlegen von Telegrafenleitungen war, zusammen mit anderen Maßnahmen (z.B. dem 1857
herausgegebenen Befehl, laut dem der Transithandel zwischen Europa und Persien zollfrei
wurde; etwas später in den 70er Jahren die Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen Tbilissi und
Poti) einer der entscheidenden Gründe dafür, dass sich der europäisch–persische Transithandel
aus der Türkei nach Georgien verschob. Dieser Vorgang stimulierte den wirtschaftlichen
Aufschwung und die Entwicklung des Handels im Südkaukasus und brachte beträchtliche
Gelder für die russische Staatskasse. Die Bemühungen der türkischen Regierung, den Transit-
handelsweg wieder in die Türkei zu verschieben, brachten keinen Erfolg.

England war durch drei Telegrafenleitungen mit Indien verbunden: 1) England – Frankreich –
Mittelmeer – Ägypten – Rotes Meer – Persischer Golf – Indien; 2) England – Europa –
Petersburg – Tbilissi – Teheran – Bombay; 3) England – Berlin – Wien – Bulgarien –
Konstantinopel – Bagdad – Persischer Golf – Karatschi – Bombay – Madras und danach durch
den Golf von Bengalen Richtung Singapur – Indischer Ozean – Australien. Alle drei Leitungen
waren sehr überlastet und fielen oft aus. Aus diesem Grund suchte die englische Regierung
einen kürzeren und günstigeren Weg für die Telegraphenverbindung mit Indien.(*12)

1866 bot die Firma Siemens und Halske der englischen Regierung ein neues Projekt für eine
transkontinentale Indo-Europäische Telegrafenleitung an. Die Länge der Telegrafenleitung war
10.000 Kilometer und sollte England mit einem doppelten Draht mit Indien (London –
Kalkutta) verbinden. Die Route der Telegrafenleitung war folgende: London – Berlin –
Warschau – Kiev – Odessa – Kertsch – Kertschische Meeresenge – Sochumi – Tbilissi –
Teheran – Isfahan – Karatschi – Kalkutta. Trotz ziemlich hoher Kosten nahm die englische
Regierung das Projekt von Siemens an. Bei der Finanzierung des Projekts nahmen, unter
bestimmten Bedingungen, auch Deutschland und Russland teil. Den Bau dieser Telegrafen-
leitung führten alle drei – Londoner, Berliner und Petersburger – Abteilungen von Siemens
durch. Die Siemens hatten hierbei mächtige Probleme zu überwinden. Nach intensiver Arbeit
wurde 1870 die neue Leitung England – Indien in Betrieb genommen.(*13) Der Bau dieser neuen
Leitung machte die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Indien möglich. Sie entlastete
die Leitungen Tbilissi – Poti, Tbilissi – Stavropol und Tbilissi – Teheran, die mit den aus Euro-
pa und Indien abgeschickten internationalen Telegrammen überlastet waren, wesentlich, so dass
inländische Telegramme nicht länger tagelang unversendet blieben.

Das Anlegen der Telegrafenleitungen unterstützte die Stärkung wirtschaftlicher und kultureller
Beziehungen des Kaukasus mit seinen Nachbarländern. Mittels der durch Tbilissi führenden
internationalen Leitungen setzten sich die europäischen Länder und die USA nicht nur mit
Indien in Kontakt, sondern auch mit China, Japan und Australien. Georgien wandelte sich zu
einem Zentrum des Welttelegrafensystems. Dies verstärkte das Interesse großer europäischen
Staaten, insbesondere Deutschlands, am Kaukasus.


III. Das Wirken der Firma Siemens und Halske in Georgien im 19. Jahrhundert im Bereich Buntmetallproduktion und dessen Bedeutung

Die Firma Siemens und Halske war eine der ersten deutschen Firmen, die in Georgien Fuß
fassten. Sie war in Georgien vielseitig beschäftigt und setzte sich nicht nur im Bereich
Telegrafenleitungsbau durch (dies war nur die anfängliche Beschäftigung der Firma), sondern
auch in verschiedenen weiteren Bereichen der Wirtschaft – in der Kupfer- und Erdölproduktion,
der Gewinnung von Kobalt und Edelmetallen usw. Die Firma Siemens und Halske trug dazu
bei, Kraftwerke im Südkaukasus zu bauen und aus der eigenen Produktion eine wesentliche
Zahl von Neuerungen einzuführen und sie profitabel zu vermarkten. Der Bau der Leitungen
hatte den Grundstein für die Stärke der Firma gelegt. Genau in diesem Bereich eingenommenes
Kapital legten die Siemens im Südkaukasus in der Kupfer- und Erdölproduktion an.

Die sich am Dorf Kedabeki (Ostgeorgien) befindende Kupfererzmine war seit den ältesten
Zeiten berühmt. Den ersten kleinen Betrieb, in dem noch alle Prozesse von Hand durchgeführt
wurden, bauten die ansässigen Produzenten in den Jahren 1855 – 1856. Anfang der 60er Jahre
kauften zwei Ausländer, der Hannoveraner Tanner und der Däne Moritz, mit der Erlaubnis der
Regierung dieses Werk, und verkauften es 1864 an den Bruder von Werner Siemens, Walter,
weiter. Sogleich gelang es ihm, mit der Staatskasse einen Vertrag zu unterzeichnen, der ihm
erlaubte, in Kedabeki ein neues Werk zu bauen. Dieses Werk sollte jährlich 40000 Pud Kupfer
produzieren. Der Staatskasse sollte er, ungeachtet der tatsächlich produzierten Menge, in den
ersten zehn Jahren nur 3000 Pud Kupfer auszahlen. Für den Bau des neuen Werkes wurden
Siemens 60 Dessjatine gutes und 16 Dessjatine für die Landwirtschaft ungeeignetes Land zur
Verfügung gestellt.(*14) In dieser Zeit häufte sich im Südkaukasus ausländisches Kapital, und es
kamen ausländische Ingenieure und Arbeiter dorthin. Darunter auch die Brüder Siemens, die,
wie oben erwähnt, während des Baus von Telegrafenleitungen im Kaukasus ihre Erfahrungen
gesammelt hatten. Die Siemens schätzten die Wichtigkeit der Kedabeker Fundstätte richtig ein
und begannen, hier eigens Kapital anzulegen. Sie bauten ein Werk für die Kupferverarbeitung,
das laut Siemens selbst 1.874.393 Rubel gekostet hatte.(*15)

Die Fundstätten waren vom Werk in Kedabeki drei Kilometer weit entfernt. Eine Ausweitung
der Produktion wurde anfänglich durch Schwächen in der Energieversorgung behindert.
Verursacher dessen war die Tatsache, dass bis zur Vollendung der Eisenbahnlinie Tbilissi –
Baku das Werk mit Holzkohle betrieben wurde. Nachdem diese Eisenbahnlinie vollendet
wurde, gelang es, das Werk stattdessen mit Erdöl zu versorgen. Für die Versorgung des Werks
mit Holzkohle stellte die Regierung den Siemens in der Umgebung von Kedabeki vier große
Waldstücke zur Verfügung. Vertraglich vereinbart wurde, dass die Siemens abgeholzte Wälder
wieder bepflanzen würden. Diese Vereinbarung erfüllten sie jedoch nicht.(*16)

1871 bekamen die Siemens zusätzlich ein großes Stück Wald. Danach, im Jahre 1879, bekamen
sie noch eine große Fläche Wald von 5.946 Dessjatine, am so genannten „Dsegamer Ferien-
haus“, da sie in Kalakent ein neues Werk bauen wollten. Die Handlungen der Siemens wurden
tatkräftig von der Regierung unterstützt. Der Beweis dafür war, dass sie es immer wieder
schafften, aus der Nähe eigener Werke die ansässige Bevölkerung zu vertreiben und an eine
andere Stelle zu übersiedeln.(*17)

Im Werk von Kedabeki wurden 1865 8.000 Pud Kupfer produziert, 1876 42.229 Pud und 1882
43.312 Pud. Rund zwei Drittel des im Kaukasus produzierten Kupfers stammten aus Kedabeki.
1877 produzierte das Werk rund ein Viertel des im gesamten Russland produzierten Kupfers.
Im Werk von Kedabeki waren 1865 260 Arbeiter, im Jahre 1867 knapp 500 Arbeiter
beschäftigt. In den nächsten Jahren stieg die Zahl der Arbeiter auf über 1.000, dazu kamen noch
knapp 60 Ingenieure und technisches Personal. In den 70er Jahren stieg die Zahl der Arbeiter
im Werk von Kedabeki weiter auf über 1.500.(*18) Zum Vergleich: In der gesamten Bergwerks-
produktion des Kaukasus waren insgesamt 3.431 Menschen beschäftigt. Der Bau der Eisen-
bahnlinie bis Baku in den 80er Jahren unterstützte den Anstieg der Produktion wesentlich. Dies
ermöglichte es, die Produktion des Werks schneller sowohl auf den russischen inneren Markt
als auch ins Ausland (durch die Häfen von Baku – Astrachan, Batumi und andere Schwarz-
meerhäfen) zu bringen.

Durch die große Hilfe und Unterstützung der Regierung ermutigt, beschlossen die Siemens, das
schon gebaute Werk zu vergrößern und zu modernisieren und außerdem am Fluss Kalakenti ein
weiteres Werk zu bauen, welches im Juni 1883 in Betrieb genommen wurde.

Die Produktionskosten wurden allmählich niedriger, da man begann, Erdölreste und Strom zu
verwenden. Für die Versorgung mit elektrischem Strom bauten die Siemens am Fluss Kalakenti
ein Wasserkraftwerk, welches 2 Turbinen, eine mit 80 und eine weitere mit 25 PS, antrieb.(*19)
Die Verwendung des elektrischen Stroms ermöglichte Siemens durch die Anwendung der
Elektrolyse aus dem Schwarzkupfer reines Kupfer zu gewinnen. Ebenso durch Elektrolyse
gelang es Dutzende Pud Pulver mit wesentlichen Anteilen von Gold und Silber zu gewinnen.
Die gewonnenen Edelmetalle wurden, abzüglich 10% staatlicher Steuer, nach Berlin verschickt.

Die Werke von Kedabeki und Kalakenti produzierten jährlich 69.000 bis 70.000 Pud Erz sowie
ebenfalls 31.000 feuerfeste Ziegelsteine.(*20) In den 80er Jahren wurde in der Gegend der Kupfer
verarbeitenden Werke in Kedabeki und Kalakenti eine erste schmale Eisenbahnlinie gebaut, die
im Januar 1884 in Betrieb genommen wurde. Der Bau dieser Linie hatte 800 000 Rubel
gekostet.(*21) Sie verband diese beiden Werke miteinander und mit den Wäldern. Seit 1886
verwendete man im Werk von Kedabeki Erdölreste und Erdölprodukte zur Befeuerung. Seit
1887 erhielt das Werk wöchentlich 5 Eisenbahnzisternen Erdöl- und Erdölproduktreste. Zum
Aufbewahren der flüssigen Brennstoffe wurde ein 20.000 Pud großes Reservoir gebaut. Später
bauten die Siemens eine Erdölleitung, deren Bau 400.000 Rubel kostete. Für diese Leitung
bestellten sie in der Tschechei speziell konstruierte Röhren. Später wurden diese Leitungen bis
zu den Werken verlängert.(*22)

Die Siemens bauten von den Werken bis nach Elisabethtal eine spezielle Telegrafenleitung,
deren Länge 60 Werst betrug.(*23) Dank der durchgeführten Maßnahmen wurde die Produktivität
der Werke von Kedabeki und Kalakent deutlich erhöht, so dass die Menge des hergestellten
Kupfers stieg. Da die Produktion des Erzes und die Menge des produzierten Kupfers derart
anstiegen, belegten die Werke von Kedabeki und Kalakent 1887 den ersten Platz unter den
Kupferwerken im gesamten Russland. Dies belegt noch einmal die Tatsache, dass im Kaukasus
die Bergwerksproduktion sich sehr rasch entwickelte.

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Daschkesani Kupfer und Kobalt gefunden.
1865 bekamen die Siemens die Erlaubnis, das Kobalterz aus Daschkesani zu verarbeiten, und
ein Jahr später begannen sie mit der Erzgewinnung. Sie planten, mit der Kobaltgewinnung
einen wesentlichen Teil der eigenen Ausgaben zu decken, da die Gewinnung des Kobalts
relativ geringe Kosten verursachte. 1866 wurden nach Deutschland 400 Pud Kobaltspeis und
1.000 Pud Erz verschickt, vorgeblich zur Expertise dieses Minerals. Durch diese Aktion
machten die Siemens einen guten Gewinn. Auch danach führten sie nach Deutschland große
Mengen von Kobaltspeis und Erz aus. Genaue Angaben über die Gewinnung, Verarbeitung und
den Export des Kobalts liegen jedoch nicht mehr vor. Anscheinend verarbeiteten die Siemens
das Kobalterz absichtlich nicht sofort, um den durch das Kobalt erzielten Gewinn nicht
anzeigen zu müssen und die entsprechenden Steuern zu umgehen. Dies wurde zusätzlich
dadurch begünstigt, dass es in Daschkesani selbst keine Öfen zum Schmelzen des Kobaltspeises
gab und das Erz daher in das Werk von Kedabeki transportiert wurde, wo es, nachdem eine
bestimmte Menge angesammelt worden war, verarbeitet wurde.(*24) Dies ermöglichte den
Siemens, eine verminderte Menge an Kobalt auszuweisen. Kobalt wurde in Daschkesani von
den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts an bis zum ersten Weltkrieg gewonnen. Nach offiziellen
Angaben handelte es sich nur um geringe Mengen, wobei diese Angaben jedoch zu niedrig sein
dürften. Ein Indiz dafür: trotz geringer Mengen an Erz suchte die Firma sehr intensiv danach
und verarbeitete das geförderte Kobalterz, was natürlich darauf hindeutet, dass dies einen guten
Profit brachte. Mit der Gewinnung und Verarbeitung des Kobalterzes waren dauerhaft 15 bis 25
Menschen beschäftigt.(*25) Nachdem in den Kupferschächten von Kedabeki die Menge des
gewonnenen Erzes immer geringer wurde, begannen die Siemens den Versuch, eine Erlaubnis
zur Erzgewinnung in der Region Batumi, wo sehr reiche Lagerstätten von Kupfererz gefunden
worden waren, zu erhalten.

1901 bekam Karl Siemens die Erlaubnis, die reiche Lagerstätte am Dorf Kvarzchana, 57 km
von Batumi entfernt, abzubauen. Bald wurden hier Schächte gebaut und es wurde begonnen,
das Erz zu gewinnen. Siemens sorgte auch dafür, das an Erz reiche Land zu erwerben.
Zwischen 1900 und 1909 kauften Karl Siemens sowie seine Erben von den ansässigen Bauern,
den Baronessen Maria Grevenitz und Sharlotte Bucksgauden, Grundstücke und begannen das
Erz zu gewinnen.(*26) Laut Quellen wurde das Land immer sehr günstig erworben. Ein Teil des
geförderten Erzes wurde ins Ausland ausgeführt, ein weiterer nach Kedabeki gebracht, der Rest
an Ort und Stelle für 25 bis 30 Kopeken, je nach Kupfergehalt, verkauft. 1905 gewannen die
Siemens in Kvarzchana 90.000 Pud Kupfererz. Der Transport von Roherz nach Kedabeki war
mit sehr hohen Kosten verbunden. Aus diesem Grund beschlossen die Siemens einen Betrieb zu
bauen, der an der Lagerstätte das Erz verarbeiten und das Schwarzkupfer gewinnen sollte. 1906
wurden dieser Betrieb sowie Wohnhäuser für die Arbeiter gebaut. Die Öfen für die
Erzschmelze wurden aus Kalakenti gebracht, und 1907 wurde hier mit dem Schmelzen des
Schwarzkupfers begonnen. Der Betrieb produzierte jährlich knapp 60.000 Pud Kupfer. 1907
wurden in Kvarzchana 100.000 Pud Kupfererz gewonnen und 53.563 Pud Schwarzkupfer
geschmolzen. Die Erzgewinnung in den Schächten von Siemens stieg jährlich. 1909 wurden in
Kvarzchana bereits 398.793 Pud und in Baschauli 38.000 Pud Erz gewonnen.(*27) Trotzdem baute
Siemens in Kvarzchana erst einmal kein neues großes Werk für das Schmelzen des Kupfers.
Doch nachdem eine neue Kupfererz-Lagerstätte gefunden worden war, beschloss die Firma ein
größeres Werk zu bauen. Für den Bau wurden 1 Million Rubel bereitgestellt.(*28) Der Bau wurde
1912 begonnen und dauerte längere Zeit. Die Inbetriebnahme des Werks war für 1914
vorgesehen, gelang jedoch nicht mehr, da der Beginn des ersten Weltkriegs die Eröffnung
verhinderte: Bald nachdem die Front im Kaukasus eröffnet wurde, befand sich das Werk direkt
im Kriegsgebiet und die Siemens und ihre Erben schafften es vorerst nicht, das Werk Gewinn
bringend einzusetzen.

Nach dem Kriegsbeginn entstand in Russland eine Bewegung gegen Deutsche und deutsches
Kapital. Die Erben von Siemens schafften es, unter dem Schutz der russischen Regierung,
dieser Gefahr zu entkommen. Nachdem 1914 die dritte türkische Armee vernichtet wurde,
standen Kvarzchana und seine Lagerstätten nicht mehr unter Bedrohung. 1915 wurde das Werk
daher unter Kontrolle der Regierung in Betrieb genommen worden. Das Werk, wie auch andere
Siemenswerke, arbeitete in der Folge für den Armeebedarf. Nichtsdestotrotz füllten die aus den
staatlichen Aufträgen erzielten Gewinne die Kassen der Firma und der Familie Siemens. 1917
wurden in den Schächten von Kvarzchana 2.279.952 Pud Kupfererz gewonnen und im Werk
98.343 Pud Kupfer geschmolzen.(*29)

Obwohl der Südkaukasus vom russischen Imperium politisch annektiert war, gelang es diesem
nicht, sich das Gebiet auch wirtschaftlich vollständig einzuverleiben. Aus diesem Grund
unterstützte das russische Imperium die Anlage ausländischen Kapitals im Südkaukasus. Ab
den 80er Jahren verstärkte sich dieser Prozess besonders. Das deutsche Kapital übernahm eine
führende Rolle im Südkaukasus. In vielen Bereichen der südkaukasischen Wirtschaft, darunter
Kupfer- und Erdölproduktion, fassten Deutsche besonders erfolgreich Fuß. Anscheinend hatte
dies nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärisch-strategische Gründe.

Die Siemens schätzten den hohen Bedarf an Kupfer in Russland und im Südkaukasus richtig
ein und investierten einen wesentlichen Teil ihres Kapitals in die Kupferproduktion. Mit dem
Bau zweier großer Werke in den 60er bis 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Kedabeki und
Kalakenti entschieden sie den Konkurrenzkampf mit den kleinen ansässigen Betrieben schnell
für sich und stärkten ihre Position als Monopolmacht auf dem Markt der Kupferproduktion im
Südkaukasus. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde die Firma Siemens und Halske dann erst von
französischem (das Werk von Alaverdi) und danach von englischem (das Werk von
Tschinkatchevi) Kapital stark bedrängt. Ihre führende Position konnte die Firma auch mit dem
neu gebauten Werk in Kvarzchana nicht mehr wieder herstellen.

Deutsches Kapital, vertreten durch die Firma Siemens und Halske, war auch in der
Erdölindustrie des Südkaukasus, unter anderem Georgiens, vertreten, insbesondere in der
Erdölindustrie von Baku, wo er in den 70er Jahren das erste Mal am Markt auftrat. Seit diesen
Zeiten gründeten die Deutschen eigene Firmen, noch häufiger hatten sie einen Anteil an bereits
ansässigen Firmen.


IV. Das Wirken der Firma Siemens und Halske in Georgien im 19. Jahrhundert im Bereich Erdölproduktion und dessen Bedeutung

Schon zu früheren Zeiten stellte man in Ostgeorgien, genauer in Kachetien auf den Steppen von
Schiraqi, fest, dass an manchen Stellen Erdöl sickerte. Anfangs sammelte sich dies in einigen
natürlichen Gruben und später in den für diesen Zweck gemachten Gruben und Brunnen. Aus
diesen Sammlungen entnahm man das Erdöl und verkaufte es für das Wachsen von Leder,
Weinschläuchen, Fuhren, sowie für die Heilung einiger tierischer Hautkrankheiten.(*30) Als man
begann, Erdöl zur Beleuchtung zu verwenden, wuchs die Nachfrage nach diesem Produkt.
Dementsprechend gab es immer mehr Menschen, die mit der Gewinnung und dem Verkauf des
Erdöls beschäftigt waren. Zu Beginn führte die Regierung eine Steuer auf jeden verkauften
Eimer Erdöl ein. Später verkaufte oder verpachtete sie die Erdölquellen.

Erdölquellen wurden im Tbilisser Gouvernement im Bezirk von Signagi an drei Stellen
entdeckt: auf der Steppe von Eldari, in Mirsaani und in Schiraqi. Die Erdölquellen von Eldari
befanden sich in seinem nördlichen Teil, beiderseits des Flusses Jori und umfassten knapp 30
Dessjatine unfruchtbares, felsiges Land. Südlich von hier, 68 Werst entfernt, lag Signagi. Die
Erdölgewinnung war 8 bis 9 Monate im Jahr möglich, im Sommer wurde sie wegen der
unerträglichen Hitze unterbrochen.(*31) Da an beiden Ufern des Flusses Jori Erdöl gefunden
wurde, begann man hier Brunnen zu graben, um das Erdöl aufzusammeln. Im Flachland
sickerte das Erdöl nicht durch. Um es zu finden, grub man 2 bis 3 Arschin tiefe Löcher und
später auch Brunnen, in denen man das Erdöl in 2, 1,5 oder 1 Arschin Tiefe aufsammelte.(*32)

Die Erdölquellen von Mirsaani befanden sich südwestlich von Signagi, 43 Werst von der Stadt
entfernt, am Grund einer steilen Schlucht. Bei starkem Regen spülte das Regenwasser das in
den Bergen angesammelte Erdöl weg, Löcher und Brunnen wurden mit Kies gefüllt. Aus
diesem Grund sammelte sich das Erdöl an immer unterschiedlichen Stellen an.(*33) Die
Erdölquellen von Schiraqi befanden sich auf der Steppe in Kleinschiraqi, 58 Werst südlich von
Signagi gelegen. Signagi war mit Schiraqi durch einen Fuhrenweg verbunden. Die Schiraqer
Lagerstätten befanden sich in zwei kleinen Schluchten, die voneinander durch einen Berg-
scheitel getrennt waren. Die höchste Stelle des Scheitels war die so genannte Tuscheter
Pyramide. In diesen Lagerstätten gab es wesentlich größere Mengen an Erdöl, als in den
Quellen in Mirsaani und Eldari.(*34)

Die Gebiete um Eldari, Mirsaani und Schiraqi waren im Besitz der Staatskasse und wurde von
der Südkaukasischen Staatskasse verwaltet. Für diese war es mit viel Arbeit und hohen Kosten
verbunden, die Erdölquellen zu unterhalten. Aus diesem Grund beschloss die Verwaltung der
Staatskasse, sie an Privatpersonen zu verkaufen oder zu verpachten. Mit Befehl des
Stellvertreters des Königs im Südkaukasus vom 30. Oktober 1848 wurde beschlossen, die
Erdölquellen zu verpachten. Der Pächter wurden durch eine Auktion ausgewählt, und noch
1848 wurden die Erdölquellen einem Beamten G. Mirsoev, einem Signager B. Safarov und den
Tbilissern S. Wardanov und S. Kitaev übergeben.(*35) Die Pachtlänge betrug 6 Jahre, die jährliche
Pachtsumme 1.050 Rubel. 1854 wurde die Zeitdauer für die Pachtung der Quellen endgültig auf
jeweils vier Jahre festgelegt. In den insgesamt 17 Pachtjahren (1848 – 1865) hatten die oben
genannten Besitzer der Erdölquellen keinerlei Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt und ihre
Aufmerksamkeit nur den Brunnen geschenkt, welche weniger kostspielig waren. Nach dem von
ihnen gewonnenen Erdöl gab es auf Grund der schlechten Verarbeitung nur wenig Nachfrage.
Ursache dafür war jedoch auch die Tatsache, dass es in der Region kein Werk für die
Erdölverarbeitung gab.

1865, vor dem Ablauf der Pachtfrist, hatte die Verwaltung des kaukasischen Bergwerkswesens
den deutschen Bergwerksingenieur Walberg nach Schiraqi entsandt. Er sollte den Stand der
Erdölproduktion erforschen. Nach der Durchführung der Forschungsarbeiten legte er einen
Bericht vor, in dem er ausdrücklich behauptete, dass die Einnahmen aus den Erdölquellen auf
keinen Fall dem Potenzial der Erdölgewinnung entsprachen. Für die Verbesserung der
Erdölgewinnung schlug Walberg der Staatskasse vor, die Erdölgruben (die sich beim Regen
ständig mit Erde und Kies füllten) gegen tiefe Brunnen auszutauschen und zur Lagerung des
Erdöls steinerne Reservoire zu bauen. Als optimale Pachtlänge sah er eine zwölfjährige Frist
an. Außerdem sollten nach seiner Meinung Pächter in den ersten zwei bis drei Jahren von den
Steuern befreit werden, um dieses Geld in die Verbesserung der Erdölgewinnung investieren zu
können.(*36) Die Vorschläge von Walberg wurden berücksichtigt und darauf basierend im Jahr
1865 neue Pachtregeln eingeführt. Nach diesen neuen Regeln sollten die Besitzer der
Erdölquellen in den ersten drei Jahren statt der alten Gruben ausreichend neue Brunnen
errichten. Außerdem waren sie verpflichtet, Steinreservoire für die Lagerung des Erdöls und
Wohnhäuser für die Arbeiter bauen. Weiterhin sollten sie alle neuen Bauten während des
zwölfjährigen Pachtzeitraums in Ordnung halten. Nach dem Ablauf dieser Frist sollten die
Gebäude entweder der Staatskasse oder dem neuen Besitzer kostenlos übergeben werden.
Damit die Pächter ihre Kosten decken und Gewinn erzielen konnten, gab es seitens der
Staatskasse bestimmte Ermäßigungen.(*37)

Laut Richard Ehrenberg gelang es dem Leiter der kaukasischen Bergbauabteilung, General
Ivanizki, Karl Siemens für die kaukasischen Erdölquellen zu begeistern. Nachdem Walter
Siemens das Werk in Kedabeki gekauft hatte, beschloss er zusammen mit Karl, wegen des
kaukasischen Reichtums an Erdöllagerstätten in Kedabeki Erdöl als Brennstoff zu verwenden.(*38)
Diese Idee wurde nicht sofort, sondern auf Grund der weiten Entfernung erst nach dem Bau der
Eisenbahnlinie verwirklicht. 1866 bot Walter Siemens seinem Bruder Karl an, die Erdölquellen
in den Steppen von Schiraqi und Eldari zu pachten. Die Brüder wollten auch Tbilissi mit
Erdgas versorgen, wofür bereits ein Plan entworfen worden war. Otto war speziell mit dieser
Sache beschäftigt.(*39) Außerdem versuchte er, eine Konzession für die Trinkwasserversorgung
von Tbilissi zu bekommen.(*40) Karl unterstützte die jüngeren Brüder, aber Werner war gegen
deren neue Ideen. Am 11. Juni 1867 schrieb er an Karl: „endlich sollten wir uns nur mit einer
Aufgabe beschäftigen und solange nichts neues anfangen, bis in den alten Betrieben Platz für
Arbeit und Kapital gibt. Es ist unmöglich, mit eigenen Kräften alles zu erarbeiten. Riesige
Bergwerksbetriebe sind für uns schon groß genug.“(*41) Die Siemens verfügten damals nicht über
ausreichende Mittel, gleichzeitig mehrere Betriebsbereiche zu führen. Aus diesem Grund war
Karl gezwungen, auf seine zukünftigen Pläne zu verzichten. Da Walter Siemens es ausdrück-
lich verlangte, beschloss Karl mit der Erdölgewinnung zu beginnen. Er kaufte Manjet die Erd-
ölquellen von Schiraqi, Mirsaani und Eldari ab. Die Pachtzeit, wie schon erwähnt, betrug zwölf
Jahre (1866 – 1878) und die an die Staatskasse zu zahlende Summe betrug 4.500 Rubel. Da sie
als Besitzer der Erdölquellen nur die ersten zwei Jahre von der Pacht befreit waren, zahlten die
Siemens ab 1869 jährlich 5.400 Rubel.(*42)

Ungeachtet der Tatsache, dass die Siemens im Kaukasus hauptsächlich in der Kupferindustrie
aktiv waren, führten sie eine ganze Reihe der Verbesserungen in der Erdölindustrie ein, sowohl
im Bereich der Gewinnung als auch in der Verarbeitung. Besonders wichtig ist die Tatsache,
dass die Erdölbetriebe von Siemens die ersten derartigen Betriebe im gesamten russischen
Reich waren, in denen Erdöl mittels Bohrlöchern gefördert wurde; diese wurden an den Erdöl-
quellen von Baku erstmals im Jahr 1870 in Betrieb genommen. Das Erdöl wurde in den Werken
gesäubert und verarbeitet. Das Erdöl verarbeitende Werk selbst, das 1868 in Betrieb genommen
wurde, stellte keine Neuheit dar, da ein derartiges Werk in Baku bereits existierte. 1869, zwei
Jahre nach dem Erwerb der Erdölquellen in Kachetien durch Walter Siemens, betrieb die Firma
drei Bohrlöcher.(*43) Brunnen und Tanks, in denen man das Erdöl aufbewahrte, waren mit Ton
oder Erde bedeckt, um sie vor Regen zu schützen. Zur Entnahme des Erdöls aus den Brunnen
wurden 20 Arbeiter beschäftigt, die monatlich 10 Rubel bekamen.(*44) 1869 wurden aus den
Brunnen und später aus den Bohrlöchern 25.000 Pud Erdöl gefördert, welches überwiegend im
eigenen Werk verarbeitet wurde.(*45) Gleichwohl muss man anmerken, dass in der Anfangsphase
der Erdölgewinnung und Verarbeitung wesentliche Schwierigkeiten auftraten, da es an
qualifizierten Technikern und Arbeitern mangelte. Wie schon erwähnt, bauten die Siemens ein
Werk, in dem das in Schiraqi gewonnene Erdöl raffiniert wurde. In diesem Werk arbeiteten ein
Leiter, zwei Überwacher, ein Meister, ein Mechaniker, ein Schmied und ein Böttcher.

1872 erwarb ein Bevollmächtigter der Firma Siemens und Halske im Kaukasus, William
Bolton, Erdöllagerstätten in Kachetien (Ostgeorgien), genauer in Nabambrebi. Wie sich später
herausstellen sollte, war dieses Gebiet nicht besonders reich an Erdöl und daher nur wenig
Gewinn bringend. Aus diesem Grund übergaben die Siemens das Gebiet wieder der
Staatskasse.

In den 70er Jahren begann man, Erdöl und Erdölprodukte intensiv in der Volkswirtschaft und
im Alltag zu verwenden, sowohl in Russland als auch im Kaukasus. Daher wuchs auch die
Nachfrage danach. Immer wieder gab es Gerüchte, dass man mit Erdöl traumhaft reich werden
konnte. Diese Gerüchte zogen immer mehr Leute an, in diesem Gebiet Beschäftigung zu
suchen. Erdöl wurde in fast jedem Gebiet des Kaukasus gesucht. Die königliche Regierung
unterstützte sowohl ansässige als auch ausländische Unternehmen bei der Durchführung ihrer
Arbeiten, da sie später davon finanziellen Profit erwartete. Das niedrige wirtschaftliche Niveau,
nicht existierende Straßen und andere Schwierigkeiten bremsten jedoch eine rasche Entwick-
lung der Erdölindustrie im Südkaukasus.

Größtes Hindernis für die Entwicklung der Erdölindustrie war das Erwerbssystem (Pacht-
system). Bis zum Jahr 1865 betrug der Erwerbsfrist vier Jahre. Unter solchen Bedingungen
waren die Besitzer der Erdöllagerstätten nur daran interessiert, schnell einen maximalen
Gewinn zu erzielen, nicht aber – verständlicherweise – die Betriebe zu verbessern. Zwar war
1865 die Erwerbsfrist auf zwölf Jahre verlängert worden, dies veränderte jedoch nicht viel.
Führende Vertreter der russischen Gesellschaft, darunter auch der Wissenschaftler D. I.
Mendellew, verlangten ausdrücklich, das Pachtsystem abzuschaffen. Aus diesem Grund gab die
Regierung 1872 unter dem Titel „Die Regel für die Erdölbetriebe“ einen neuen Befehl heraus.
Mit diesem Befehl wurde das existierende Pachtsystem abgeschafft. Laut diesen neuen
„Regeln“ wurde das Finanzministerium beauftragt, die in dem Imperium existierenden
Erdölbetriebe zu überwachen. An den Orten selbst sollten die ansässigen Bergbauabteilungen
diese Funktion übernehmen. Jede Person, darunter auch Ausländer, war befugt, auf den freien
Ländern der Staatskasse nach Erdöl zu suchen und es zu gewinnen. Auf den im Privatbesitz
befindlichen Ländern durften die Eigentümer die Erdölproduktion betreiben. Das einer Person
für die Erdölgewinnung zu übergebende Grundstück durfte nicht mehr als zehn Dessjatine
bemessen. Die Pachtsumme für eine Dessjatine betrug zehn Rubel.(*46)

Seit 1866 pachtete die Firma Siemens und Halske 24 Gruppen von Erdölquellen (Gruppen in
Schiraqi 1 – 17, in Mirsaani 18 – 22, in Eldari 23 – 24). Für diese Quellen zahlten sie der
Staatskasse jährlich 5.400 Rubel.(*47) Am 28. Dezember 1877 veranstaltete die südkaukasische
Staatskassenverwaltung eine Auktion, auf der die genannten Quellen versteigert wurden. Karl
Siemens schickte seiner Vertrauensperson Friedrich Knacke ein Telegramm, in dem er genau
erklärte, welche Quellen er ersteigern sollte und für welchen Preis, und zwar: die erste Gruppe
für 6.126 Rubel, die zweite Gruppe für 6.524 Rubel, die sechste Gruppe für 426 Rubel, die
neunte Gruppe für 142 Rubel, die elfte Gruppe für 105 Rubel, die fünfzehnte Gruppe für 142
Rubel und die dreiundzwanzigste Gruppe für 284 Rubel.(*48)

Von den auf der Auktion angebotenen 24 Gruppen, deren Gesamtpreis 5.709 Rubel betrug,
wollte Karl Siemens also nur sieben kaufen, die ihrerseits für 5.197 Rubel und 87 Kopeken
angeboten waren. Karl Siemens bot der Staatskasse für diese Gruppen mehr als die doppelte
Summe an – 13 749 Rubel. Auf der Auktion hatte Siemens einen Konkurrenten: den Tbilisser
Händler Kasumov, der bereit war, für alle 24 Gruppen 7.050 Rubel zu zahlen.(*49) Für die
Staatskasse war das Simens-Angebot natürlich günstiger und die oben genannten sieben
Gruppen wurden Siemens übergeben. Für die restlichen siebzehn Gruppen, die für 511 Rubel
angeboten wurden, sind keine Käufer gefunden worden. Ab 1878 zahlte die Firma Siemens der
Staatskasse für diese sieben Gruppen jährlich 700 Rubel.(*50)

Seit dem Ende der 70er Jahre, insbesondere nachdem 1877 die Akzise auf Erdöl aufgehoben
und Zoll für amerikanisches Erdöl eingeführt wurde, konkurrierte das Erdöl von Baku mit dem
aus Signagi erfolgreich. In den Betrieben und Werken von Siemens liefen Veränderungen. Der
Verkauf der Erdölprodukte wurde immer schwerer. Der Erdöltransport aus Signagi war wegen
der schlechten Verkehrsverbindung mit mehr Kosten verbunden als der Transport aus Baku.
Die Siemens begannen, den eigenen Betrieb langsam einzustellen. Ab den Jahren 1883 bis
1884, nachdem die Eisenbahnlinie zwischen Tbilissi und Baku gebaut wurde, verzichteten sie
auf die Erdölproduktion im Bezirk Signagi vollständig. Für sie war die Produktion unter
solchen Bedingungen unwirtschaftlich geworden, auch da sie eigenes Kapital im Südkaukasus
überwiegend in der Kupferproduktion, in der elektrischen Beleuchtung und in den Handel mit
in den eigenen Werken produzierten Elektrogeräten investiert hatten.

1883 gab Siemens fünf Gruppen der Schiraqer Erdölquellen der Staatskasse zurück. Weitere
zwei Gruppen und das erdölverarbeitende Werk verkaufte er an den Militäringenieur F.
Minkevitsch.(*51) Dieser übergab die Rechte für die Erdölverarbeitung notariell den Signager
Händlern Otaraschvili, die diese Lagerstätten bis zum Beginn des ersten Weltkrieges ver-
werteten. So endete im Bezirk Signagi die Gewinnung und Verarbeitung des Erdöls durch die
Firma Siemens und Halske.

Wie gesehen, förderte die Firma Siemens von 1866 bis 1883 in den Erdöllagerstätten von
Schiraqi, Mirsaani und Eldari. Ihr Wirken zeichnete sich durch wichtige Ereignisse in der
Erdölgewinnung aus. Bereits 1869 begann die Firma – als erste im Südkaukasus – erfolgreich
Bohrlöcher einzusetzen, deren Anzahl sie in den Jahren 1869 bis 1881 von 3 auf 270 erhöhte.
Das von dieser Firma 1868 gebaute Werk war eine Innovation in der Erdölverarbeitung.(*52)

Wir stellen fest, dass das deutsche Kapital, vertreten durch die Firma Siemens, wesentlich zur
Entwicklung der Erdölindustrie in Georgien und im gesamten Südkaukasus beitrug. Die Firma
führte in diesem Bereich modernste Ausstattungen und Technologien ein, und unterstützte
damit den Produktionsdurchbruch im Bereich der Erdölindustrie. Die Arbeiter erlernten neueste
Formen der Erdölgewinnung und Erdölverarbeitung, wodurch gut qualifizierte Arbeitskräfte
geschaffen wurden. Die Wichtigkeit der Tätigkeiten der Firma Siemens und Halske kann man
weder an der Stärke ihrer Betriebe noch an der Zahl der Beschäftigten messen, sondern daran,
dass ihre Werke für die Erdölgewinnung und Erdölverarbeitung damals die ersten und gleich-
zeitig die einzigen sowohl in Georgien als auch im gesamten Kaukasus waren.


V. Schlussfolgerungen

Unter denen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der südkaukasischen Wirtschaft
Fuß fassen wollten, hatte deutsches Kapital eine führende Position. Von Anfang an war es
durch die Firma Siemens und Halske in Georgien vertreten. Siemens und Halske war die erste
Firma in Europa, die sich auf den Bau von Telegrafenleitungen spezialisiert hatte.

Siemens und Halske war eine der ersten Firmen, die deutsches Kapital ausführte. In den 80er
Jahren eröffnete sie Niederlassungen in vielen europäischen Ländern und später außerhalb
Europas, auch in den USA. Die ersten geschäftlichen Kontakte nahm Siemens mit Russland in
der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. 1852 begann sie, ihre Geschäfte im russischen Imperium
auszuweiten. Mit dem ersten Auftrag baute die Firma eine Telegrafenleitung zwischen Peters-
burg und Moskau. Danach baute sie eine Leitung Riga – Petersburg – Kronstadt. 1855 wurde in
Petersburg die erste russische Niederlassung von Siemens und Halske gegründet, welche enge
wissenschaftlich-technische und finanzielle Kontakte mit den Berliner und Londoner Abtei-
lungen der Firma hatte.

Ihre Beschäftigung im Südkaukasus nahm die Firma Siemens und Halske in den 50er Jahren
des 19. Jahrhunderts auf, indem sie dort Telegrafenleitungen baute. 1858 wurde die Leitung
zwischen Tbilissi und Kodjori, die die erste im Südkaukasus war, in Betrieb genommen.
Danach wurden auch andere Telegrafenleitungen im Südkaukasus in Betrieb genommen:
Tbilissi – Poti (mit dem Abzweig nach Borjomi), Tbilissi – Stavropol, Tbilissi – Baku,
Kaukasus – Persien, Kaukasus – Türkei und als letztes Indien – Europa, welche durch Tbilissi
führte.

1860 wurde in Tbilissi eine Abteilung der Petersburger Siemens und Halske gegründet. Die
Niederlassung leitete ein Bruder von Werner, Walter Siemens und nach dessen Tod der jüngste
Bruder, Otto. Wenig später wurde die Tbilisser Abteilung in eine Niederlassung der Peters-
burger Siemens und Halske umwandelt. Diese bekam eine Aufgabe, die bereits laufenden
Bauarbeiten von Telegrafenleitungen fortzusetzen, Beschädigungen zu beseitigen und generell
ein reibungsloses Funktionieren der Leitungen zu gewährleisten. 1870 wurde eine neue Leitung
England – Indien in Betrieb genommen. Der Bau dieser neuen Leitung machte die kürzeste
Verbindung zwischen Europa und Indien möglich. Sie entlastete die Leitungen Tbilissi – Poti,
Tbilissi – Stavropol und Tbilissi – Teheran.

Bis zum Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde fast der gesamte Kaukasus mit
Telegrafenleitungen vernetzt. Jede einigermaßen große Stadt hatte Telegrafenkontakt mit
anderen Städten. Die meisten dieser Leitungen wurden mit den Finanzmitteln der ansässigen
Bevölkerung gebaut. Große Bedeutung hatte ebenso der Bau der Telegrafenleitung zwischen
dem Kaukasus und Persien und zwischen dem Kaukasus und der Türkei. 1865 wurde der
Telegrafenkontakt zwischen Tbilissi und Teheran in Betrieb genommen. Durch Tbilissi stellte
Teheran Kontakt mit Moskau und Petersburg und durch Petersburg mit Europa her. Dank dieser
Leitung bekam England die Möglichkeit mit Indien Kontakt herzustellen. Mittels den durch
Tbilissi führenden internationalen Leitungen setzten sich die europäischen Länder und die USA
nicht nur mit Indien in Kontakt, sondern auch mit China, Japan und Australien. Georgien
wandelte sich zu einem Zentrum des Welttelegrafensystems. Dies verstärkte das Interesse der
großen europäischen Staaten, insbesondere Deutschlands, am Kaukasus.

Der Bau der Leitungen hatte den Grundstein für die Stärke der Firma gelegt. Das in diesem
Bereich eingenommene Kapital legten die Siemens im Südkaukasus in der Kupfer- und
Erdölproduktion an. Wie gesehen, betrieb die Firma Siemens von 1866 bis 1883 die Erdöl-
förderung. Bereits 1869 begann die Firma – als erste im Südkaukasus – erfolgreich Bohrlöcher
einzusetzen. Die Verwendung der Bohrlöcher unterstützte den Umstieg auf die Werk- und
Fabrikindustrie im Bereich der Erdölgewinnung. Das von der Firma 1868 gebaute Werk war
eine Innovation in der Erdölverarbeitung.

Deutsches Kapital, vertreten durch die Firma Siemens, trug zur Entwicklung der Erdölindustrie
in Georgien und im gesamten Südkaukasus wesentlich bei. Die Firma führte in diesem Bereich
modernste Ausstattungen und Technologien ein, und unterstützte damit den Produktionsdurch-
bruch im Bereich der Erdölindustrie. Die Arbeiter erlernten neueste Formen der Erdölge-
winnung und Erdölverarbeitung, wodurch gut qualifizierte Arbeitskräfte geschaffen wurden.
Die Wichtigkeit der Tätigkeiten der Firma Siemens und Halske kann man weder an der Stärke
ihrer Betriebe noch an der Zahl der Beschäftigten messen, sondern daran, dass ihre Werke für
die Erdölgewinnung und Erdölverarbeitung damals die ersten und gleichzeitig die einzigen
sowohl in Georgien als auch im gesamten Kaukasus waren.


1 W. Siemens. Lebenserinnerungen. 3. Auflage. Berlin, 1966. S. 263; Siemens G. Der Weg der Elektrotechnik:
Geschichte des Hauses Siemens. I. Bd. München, 1949. S. 187; Mamazaschwili G. Erinnerungen an die
Brüder Siemens. Tbilissi, Zeitung “Droni”, No49, 1998
2 Achmeteli, M. Die wirtschaftliche Bedeutung Transkaukasiens. Dissertation. Jena, 1924 S. 91.
3 Happe, H. Werner von Siemens, Berlin, 1934, S.43; Bischoff O. Der Kaukasus und seine Bedeutung für
Russland mit Bezug auf seine europäischen und asiatischen Verhältnisse. Leipzig, 1877, S. 133
4 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien: Fond 317, Teil 6, Akt 1.
5 Mandjgaladse, G. Deutsches Kapital in Südkaukasus (1860 – 1928), Tbilissi, 1991, S. 35.
6 Fischer, Zwei Kaukasiens Expeditionen. Bern, 1891, S. 194.
7 Karbelaschvili, A. Telegrafenleitung Tbilissi – Teheran. Zeitung „Tbilissi“, 06.01.1967.
8 Kaukasischer Kalender, Tbilissi, 1882, S. 196.
9 Karbelaschvili, Telegrafenleitung Tbilissi – Teheran. Zeitung „Tbilissi“, 06.01.1967.
10 Guguschvili, P. Die wirtschaftliche Entwicklung Georgiens und Südkaukasus im XIX. – XX. Jahrhunderten,
Band I, Tbilissi, 1949, S. 205; Hahn C. Bilder aus dem Kaukasus. Leipzig, 1909, S. 176.
11 Zentrales historisches Archiv: Fond 7, Teil 1, Akt 98, Blatt 2; Kentmann P. Der Kaukasus: 150 Jahre russi-
scher Herrschaft. Leipzig, 1943, S. 127.
12 Sedlitz N. Zwischen Kura und Araxes. Ein Ritt durch den Transkaukasus. Berlin, 1881, S. 138.
13 Nanitaschvili, V. Wer waren die Brüder Siemens. Zeitung „Saqartvelos Respublika“, 5/V, 1992
14 Mandjgaladse, die oben genannte Arbeit, S. 39.
15 Kaukasischer Kalender, Tbilissi, 1882, S. 31.
16 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien. Fond 264, Akt 563, Blatt 16.
17 Chaustof E. Betriebswirtschaft des Kupferbergwerk zu Kedabeg im Kaukasus. „Bergwirtschaftliche
Mitteilungen“, Berlin, 1913, S. 104.
18 Chaustof E. Betriebswirtschaft des Kupferbergwerk zu Kedabeg im Kaukasus. „Bergwirtschaftliche
Mitteilungen“, Berlin, 1913, S.105.
19 „Kaukasus“, 1890, No 139.
20 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien: Fond 264, Akt 154, Blatt 237.
21 Zentrales historisches Archiv: Fond 79, Akt 236, Blatt 188.
22 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien: Fond 264, Akt 534, Blatt 72.
23 Mandjgaladse, die oben genannte Arbeit, S. 83.
24 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 129, Blatt 15.
25 Die oben genannte Quelle, Akt 370, Blatt 44.
26 Bundesarchiv (in Berlin). Abteilung G. Deutsche Konsulate in Tiflis, Baku und Visumskonsulate in Batumi
und Poti. Kaukasischer Grubenverein.
27 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 463, Blatt 1.
28 Die oben genannte Quelle, Akt 445, Blatt 7.
29 Die oben genannte Quelle, Akt 534, Blatt 4.
30 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 359, Blatt 79.
31 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 768, Blatt 37.
32 Die oben genannte Quelle, Blatt 38.
33 Die oben genannte Quelle, Blatt 40.
34 Die oben genannte Quelle, Blatt 46.
35 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien, Fond 264, Teil 1, Akt 768, Blatt 4.
36 Siehe Nanitaschvili, S. 125.
37 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 274, Blatt 26.
38 Ehrenberg, R. Die Unternehmungen der Bruder Siemens. I. Band, Jena, 1906, S.386.
39 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 946, Blatt 2.
40 Ehrenberg, die oben genannte Arbeit, S. 387.
41 Grotte, H. Die Bagdadbahn und das Schwäbische Bauerelement im Transkaukasien und Palästina. München,
1902, S. 386.
42 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 359, Blatt 73.
43 Engelberg, G. Erdöl, Erdölkapitalismus und Erdölpolitik. Jena, 1925, S. 134.
44 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 359, Blatt 76.
45 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 368, Blatt 22.
46 Tschavtschavadse, I. Über die ökonomische Struktur alten Georgiens (Die ausgewählten Werke in fünf
Bänden). IV Band, Tbilissi, 1987, S.306.
47 Nanitaschvili, die oben genannte Arbeit, S. 140.
48 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien; Fond 264, Teil 1, Akt 768, Blatt 103.
49 Zentrales historisches Archiv: Fond 77, Akt 26, Blatt 116.
50 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien: Fond 264, Teil 1, Akt 68, Blatt 19.
51 Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien: Fond 264, Akt 73, Blatt 42.
52 Springer, U. Wirtschaftliche und Technische Arbeiten von Werner Siemens. Berlin, 1891, S. 209.


Literaturverzeichnis

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3. Chaustof, E. Betriebswirtschaft des Kupferbergwerk zu Kedabeg im Kaukasus. „Bergwirt-
schaftliche Mitteilungen“, Berlin, 1913
4. Ehrenberg, R. Die Unternehmungen der Brüder Siemens. I. Bd., Jena, 1906
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22. Siemens G. Der Weg der Elektrotechnik: Geschichte des Hauses Siemens. Bd. I, Freiburg –
München, 1949
23. Siemens W. Lebenserinnerungen. 3. Auflage. Berlin, 1966
24. Springer U. Wirtschaftliche und Technische Arbeiten von Werner Siemens. Berlin, 1891.
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26. Zeitung „Kaukasus“, 1888, No 334.
27. Zeitung „Droni“, 1888, No 334.
28. Zeitung „Tbilissi“, 06/I, 1967.


Archivmaterialien:

Zentrale Verwaltung der georgischen Archivmaterialien:
Fond 264: Akt 563, Blatt 16; Akt 463, Blatt 1; Akt 154, Blatt 37; Akt 359, Blatt 73, 76, 79; Akt
534, Blatt 72; Akt 768, Blatt 4, 37; Akt 274, Blatt 26; Akt 129, Blatt 114; Akt 946, Blatt 2;
Fond 317, Teil 6, Akt 1, Blatt 4; Fond 416, Teil 3, Akt 110, Blatt 3.

Zentrales historisches Archiv Georgiens:
Fond 7, Teil 1, Akt 98, Blatt 2; Fond 77, Akt 26, Blatt 116; Fond 79, Akt 236, Blatt 188.

Zentrales Staatsarchiv in der BRD:
Bundesarchiv (in Berlin). Abteilung G. Deutsche Konsulate in Tiflis, Baku und Visumskonsu-
late in Batumi und Poti. Kaukasischer Grubenverein.